Die Gastprofessur zur Vorurteilsforschung wurde im Sommersemester 2009 vonProfessor Dr. András Kovács (Central European University, Budapest)) wahrgenommen.

Professor Kovács bot eine Vorlesung und ein Seminar zu folgendem Thema an:

Roma, Juden und andere Minderheiten in Osteuropa: Historische Vorurteile aus sozialwissenschaftlicher Perspektive

Zur Person:

András Kovács ist seit 1999 Professor an der Central European University, wo er im Programm Nationalismusstudien arbeitet und als wissenschaftlicher Leiter des Programms „Jewish Studies“ tätig ist. Er arbeitet außerdem am Institut für Minderheitenforschung an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören insbesondere Untersuchungen zu Antisemitismus, sowohl in Ost-Mittel-Europa, aber auch in Westeuropa.

Aktuelle Buchpublikationen:

  • NATO, Neutrality and National Identity: the case of Austria and Hungary. (Ed. with Ruth Wodak) Böhlau Verlag, Wien – Köln – Weimar, 2003
  • New Jewish Identities. (Ed. with Zvi Gitelman, Barry Kosmin) Central European University Press, Budapest, New York, 2003
  • Jews and Jewry in contemporary Hungary: results of a sociological survey. Institute for Jewish Policy Research, London 2004.
  • Jewish Studies at the Central European University. Vol. 4. 2003-2005. (Ed.) CEU Jewish Studies Project, 2006. Budapest

VORLESUNGSPROGRAMM

Block 1:
Vorurteile, Stereotypen, Nationalismus und Minderheiten

Die Themen der Veranstaltungen

– Stereotypen und Vorurteile: Theorien und empirische Forschungsmethoden I

– Stereotypen und Vorurteile: Theorien und empirische Forschungsmethoden II

– Nationalismus; Nationale und ethnische Stereotypen und Vorurteile I

– Nationalismus; Nationale und ethnische Stereotypen und Vorurteile II

– Empirische Fallstudien zu nationalen und ethnischen Vorurteilen

  • Wie erklären die Sozialwissenschaften die Entstehung und Funktionen der persönlichen und Gruppenstereotypen und Vorurteile?
  • Mit welchen Methoden werden Stereotypen und Vorurteile von Soziologen und Sozialpsychologen untersucht?
  • Konzepte über die Entstehung der Nationen und der Nationalstaaten; perennialistische, konstruktivistische und ethnosymbolistische Erklärungen
  • Was bedeutet Minderheit zu sein? Der Begriff der Minderheiten
  • Der wechselnde Status der Minderheiten in den Nationalstaaten; Ausgrenzung und Anerkennung
  • Minderheitsstrategien gegen Ausgrenzung und Diskriminierun

Literatur

  • Theorien über Vorurteile und Stereotypisierung
    • Gordon W. Allport: The Nature of Prejudice. Teil 1. K. 1. und 5.; Teil 3. K. 12.
    • Henri Tajfel: Human groups and social categories. Ch. 7. und Ch. 15.
    • Hilde Weiss: Antisemitische Vorurteile in Österreich. Theoretische und empirische Analysen. Wien, Braumüller, 1987. S. 5-36.
  • Nation, Nationalismus, Minderheiten
    • Anthony D. Smith: National identity. Penguin Books, London, 1991. Ch. 1.; Ch. 4.
    • Katherine Verdery: Whither „nation“ and „nationalism“? Daedalus, June 1993. (http://www.articlearchives.com/humanities-social-science/anthropology-archaeology/931745-1.html)
    • Rogers Brubaker: Ethnicity without groups. In: R. Brubaker: Ethnicity without groups. Harvard University Press, 2004, S. 7-27
    • Hilde Weiss, Christoph Reinprecht: Demokratischer Patriotismus oder ethnischer Nationalismus in Ost-Mitteleuropa? Böhlau Verlag, Wien 1998. S. 17-46.

Block 2:
Antisemitismus

Die Themen der Veranstaltungen

– Antisemitismus als Problem der Sozialwissenschaften

– Antisemitismustheorien: Psychologie, Sozialpsychologie; Soziologie

– Antisemitismus im kommunistischen und postkommunistischen Ost-Europa

– Empirische Untersuchungen über judenfeindliche Vorurteile in den postkommunistischen Ländern

  • Warum wird Antisemitismus als ein paradigmatisches Vorurteil behandelt?
  • Wie wird Antisemitismus von den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen interpretiert und untersucht: psychoanalytisch orientierte Antisemitismustheorien, die Sündenbock-Theorien, soziologische und historische Gruppenkonflikt-Theorien
  • Wie wird ein Vorurteilssystem politisiert: Entstehung und Erklärung des politischen Antisemitismus
  • Der Antisemitismus in den ehemaligen Ländern des „Realsozialismus“: Gibt es eine historische Kontinuität zwischen Vorkriegs- und Nachkriegsantisemitismus? Gab es neue, spezifische Formen des Antisemitismus in den kommunistischen Systemen? Wie behandelte die kommunistische Politik die antisemitischen Erscheinungen? Gab es offiziellen Antisemitismus und koordinierte antisemitische Politik in diesen Ländern?
  • Was sind die Ursachen der Verstärkung der antisemitischen Vorurteile in den postkommunistischen Staaten? Wie hängt dieses Phänomenon mit der Veränderung des politischen und ökonomischen Systems zusammen? Wie wird Antisemitismus mit empirischen Methoden untersucht und was sind die Ergebnisse der letzten Untersuchungen?

Literatur

  • Reinhard Rürup – Thomas Nipperdey: Antisemitismus – Entstehung, Funktion und Geschichte eines Begriffs. In: R. Rürup: Emanzipation und Antisemitismus. Studein zur „Judenfrage“ der bürgerlichen Gesellschaft. Fischer, Frankfurt/M. 1987. S. 120-144.
  • Gavin I. Langmuir: Toward a Definition of Antisemitism. University of California Press, LA. 1996. Ch. 14/ 4-5. S. 326-352.
  • Robert Wistrich: Antisemitismus im 20. Jahrhundert. Ein Überblick. P. Bettelheim, S. Prohing, R. Streibel (Hrsg.): Antisemitismus in Osteuropa. Picus Vlg. Wien 1992. S. 15-24.
  • Shulamit Volkov: Antisemitismus als kulturelle Code. In: Sh. Volkov: Jüdisches Leben und Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. C.H. Beck, München, 1990. 13-36.
  • Klaus Holz: Demokratischer Antisemitismus. In: K. Holz: S. Die Gegenwart des Antisemitismus. Hamburger Edition, 2005. 54 – 78.
  • Werner Bergmann: Politische Psychologie des Antisemitismus. In: H. König (Hrsg.): Politische Psychologie heute. Leviathan, Sonderheft, 9/1988. Westdeutscher Verlag, Opladen. 218-234.
  • Andras Kovacs: Hungarian Jewish Politics from the End of the Second World War until the Collapse of Communism.In: Ezra Mendelsohn (ed.): Jews and the State. Dangerous Alliances and the Perils of Privilege. Studies in Contemporary Jewry, XIX. Oxford University Press, Oxford, 2004. p. 124-156.
  • Andras Kovacs: Judenfeindschaft als politische Kode. Antisemitismus in Ungarn. In: Lars Rensmann, Julius H. Schoeps (Hrsg): Feindbild Judentum. Antisemitismus in Europa. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2008. 377-398.
  • Beate Kosmala: Das Bild der Juden nach der Shoa: „Bewegliche Vorurteile“ im polnischen Diskurs. In: Ch. V. Braun – E.M. Ziege (Hrsg.): „Das bewegliche Vorurteil. Aspekte des internationalen Antisemitismus. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2004. S. 153-174.
  • Ireneusz Krzeminski: Nationale Opferkonkurrenz und Beharrlichkeit der Tradition: Antisemitismus in Polen und der Ukraine. In: Lars Rensmann, Julius H. Schoeps (Hrsg): Feindbild Judentum. Antisemitismus in Europa. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2008. 347-376.
  • Michael Shafir: Varieties of antisemitism in post-communist East Central Europe. Motivations and Political Discourse. In: Andras Kovacs – Eszter Andor (Eds.): Jewish Studies at the CEU. Vol. III. Budapest, CEU 2004. S. 175-210.

Block 3:
Die Roma in Osteuropa

Die Themen der Veranstaltungen

– Zigeuner in Osteuropa: historischer Überblick bis Ende des Zweiten Weltkrieges

– Zigeunerpolitik in den Ostblockländern nach dem Zweiten Weltkrieg

– Die Lage der Roma in der postkommunistischen Periode: Ergebnisse empirischer Untersuchungen I

– Die Lage der Roma in der postkommunistischen Periode: Ergebnisse empirischer Untersuchungen II

– Die Roma und die Politik: Alternativen und Perspektive

  • Wie entstand historisch die Roma-Diaspora in Europa? Was war der Status der Roma in Europa vor dem 2. Weltkrieg? Aspekte der Verfolgung der Roma in der Zeit des 2. Weltkrieges
  • Was heißt „Roma“: Ist es eine sozialpolitische, ethnische, kulturelle oder politische Kategorie?
  • Wie erschienen die Roma im Kontext der offiziellen Ideologie der kommunistischen Staaten? Wie wollten die osteuropäischen Staaten die Roma-Bevölkerung integrieren?
  • Die legale, soziale und politische Situation der Roma in den postkommunistischen Gesellschaften: Ergebnisse empirischer Untersuchungen; Wie stark sind die romafeindlichen Vorurteile, wie erscheint die Diskriminierung der Roma in verschiedenen Bereichen: Arbeitsmarkt, Schulung, Gesundheitswesen, Politik?
  • Aus welchen Perspektiven sollen die Probleme und Konflikte um die Roma-Bevölkerung behandelt werden: die sozialpolitischen, minderheitspolitischen und menschenrechtspolitischen Kontexte;

Literatur

  • Leo Lucassen – Wim Willems: Gypsies in Europe, the Ottoman empire and India 1400-1914. Paper, revised version of Leo Lucassen & Wim Willems, ‚The Weakness of well-ordered societies‘, published in Review XXVI (2003) no. 3, pp. 283-313.
  • Sevasti Trubeta: „Gypsiness,“ Racial Discourse and Persecution: Balkan Roma during the Second World War. Nationalities Papers, Vol. 31, No. 1, 2003
  • David M. Crowe: The International and Historical Dimensions of Romani Migration in Central and Eastern Europe. Nationalities Papers, Vol. 31, No. 1, 2003.
  • Reimer Gronemayer: Zigeunerpolitik in den sozialistischen Ländern Osteuropas. In: R. Gronemayer (Hrsg.): Eigensinn und Hilfe. Zigeuner in der Sozialpolitik heutiger Leistungsgesellschaften. Focus Vlg., Giessen, 1983. S. 43-183.
  • Gail Kligman: On the Social Construction of „Otherness“ – identifying the ‚Roma‘ in Postsocialist Communities. In: Review of Sociology, No.2. 2001
  • Zoltan D. Barany: Living on the Edge: The East European Roma in Postcommunist Politics and Societies. Slavic Review, Vol. 53, No. 2 (Summer, 1994), pp. 321-344
  • Larry Olomoofe: In the Eye of the Beholder: Contemporary Perceptions of Roma in Europe. In: http://www.errc.org/
  • Claude Cahn: The Unseen Powers: Perception, Stigma and Roma Rights. In:http://www.errc.org/
  • Henry Scicluna: Anti-Romani Speech in Europe’s Public Space – The Mechanism of Hate Speech. In: http://www.errc.org