„The World’s Most Significant Other“: Demokratien, Diktaturen und die Geschichte der transatlantischen Vorurteile im 20. und 21. Jahrhundert

Im Sommersemester 2014 war Prof. Dr. Philipp Gassert Sir-Peter-Ustinov-Gastprofessor der Stadt Wien am Institut für Zeitgeschichte. Er ist seit Februar 2014 Professor für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, von 2009 bis 2014 hatte er den Lehrstuhl für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg inne. Sein Forschungsschwerpunkt ist fokussiert auf internationale Geschichte des 20. Jahrhunderts, auf deutsche und europäische Zeitgeschichte seit 1933 und nordamerikanische Geschichte, u.a. Amerika im Dritten Reich.

In den öffentlich zugänglichen Vorlesungen im Rahmen seiner Ustinov-Gastprofessur in Wien hat sich Prof. Philipp Gassert mit wechselseitigen Wahrnehmungen, Vorurteilen und Feindbildern im transatlantischen Verhältnis des 20. und 21. Jahrhunderts befasst. Denn die USA haben sich mindestens ebenso kontinuierlich von Europa abgrenzt, wie Europäer dies in Bezug auf Amerika bzw. die USA taten.
Wie sehr sich die totalitären, autoritären und demokratischen Ordnungen Europas und Amerikas voneinander unterschieden und welche Gemeinsamkeiten hier bestanden, ist eine der Fragen, die die Vorlesung thematisierte. Auch wurde nach der oft erstaunlich hohen Bereitschaft gerade demokratischer Ordnungen gefragt, Mechanismen der Ausgrenzung über Vorurteilsstrukturen zu entwickeln (bis hinein in die jüngsten Ausbrüche eines sich gegen „Brüssel“ bzw. „Washington“ richtendenden Populismus). Hier eröffnet der transatlantische Vergleich zahlreiche Möglichkeiten sich historisch fundiert und kritisch mit der Frage nach dem Vorurteil in der Demokratie auseinander zu setzen.

 

Termine Vorlesung
jeweils Freitags 9.45.-11.15 und 11.30-13.00, Hörsaal 31, Hauptgebäude, Stiege 9,
1. Stock

7. März 2014
1 – Warum ist Amerika in Europa oft so unpopulär? Warum hat sich Amerika immer gerne von Europa abgegrenzt?
2 – Mechanismen von Inklusion und Exklusion in der Demokratie: Das amerikanische und das europäische Beispiel

14. März 2014
3 – Wilson und Ford: Der Erste Weltkrieg als Inkubator der modernen europäischen Amerikadebatte
4 – Los von Europa: Anti-europäische Vorurteile und der amerikanische Isolationismus zwischen den beiden Weltkriegen

21. März 2014
5 – Antiamerikanismus, Antisemitismus und Hitlers Europa: Amerika als Vorbild und Feindbild in der nationalsozialistischen Ideologie
6 – Der freundliche Feind? Die amerikanische Eroberung Europas im Zweiten Weltkrieg und im Jahrzehnt nach 1945

 28. März 2014
7 – Amerikanische Intoleranz: Der Antikommunismus der McCarthy-Ära als Aspekt der Auseinandersetzung mit Europa
8 – „Ami Go Home“? Antiamerikanismus und Bewunderung für die USA in den sozialistischen Staaten

11. April 2014
9 – „Mit Amerika, gegen Amerika“: Antiimperialismus, die westeuropäische Neue Linke und der amerikanisierte Antiamerikanismus
10 –  Atlas ist enttäuscht: Euroskepsis und die neokonservative Revolte in den USA von den 1960er bis zu den 1990er Jahren

9. Mai 2014
11 – Triumph des Liberalismus? Die europäische Wiedervereinigung 1990/91 und das transatlantische Verhältnis
12 –  9/11 und seine Folgen: Ein zweites antiamerikanisches Jahrhundert?

16. Mai 2014
13 –  Jeder für sich selbst allein: Tea Party, Euroskepsis und der innere und überstaatliche Zusammenhalt der westlichen Demokratien
14 –  Shock of the Global: Das (vorläufige) Ende der Hegemonie

Termine Seminar:
jeweils Donnerstags von 15.00-19.00, Institut für Zeitgeschichte, 1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 1, Seminarraum 2

6. März, 13. März, 20. März, 27. März, 10. April, 8. Mai, 15. Mai 2014