Vor wenigen Tagen, hat Daniel Bax bei einer Veranstaltung im Bruno Kreisky Forum sein Buch "Angst ums Abendland" vorgestellt. Dabei hat er auf viele Parallelen zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie hingewiesen. Die Ausgrenzung einer Religion, die als gefährlich und mit unserer "Kultur" und unseren "Werten" nicht vereinbar eingeschätzt wird, ist bei beiden Phobien gleich. Und ebenso gleich ist die Verachtung nicht nur einer Religion sondern auch der Menschen, die dieser Religion angehören.     

Und das ist ein entscheidendes Merkmal der Intoleranz, dass sich die "Kritik" nicht nur gegen eine Religion, gegen eine Weltanschauung richtet sondern gegen Menschen, die in der Folge ausgegrenzt und im Extremfall sogar attackiert und schließlich ermordet werden dürfen. Hinzu kommt, dass der Antisemitismus genauso wie die Islamophobie nicht auf fundierten Argumenten beruht sondern auf Generalisierungen und Verfälschungen: die Juden sind Kindsmörder, alle Muslime sind zumindest potentielle Terroristen.

Daniel Bax hat auch darauf hingewiesen, dass der Antisemitismus nicht mit den Nationalsozialisten begann sondern schon viel früher. Das heißt, der Boden für das NS Regime wurde schon länger vorbereitet. Und insofern sind einzelne islamophobe Äußerungen, nicht zuletzt in den sozialen Medien, durchaus ernst zu nehmen. Das heißt aber nicht, dass davon auszugehen ist, dass dadurch ein faschistisches, antiislamisches Regime vorbereitet wird. Aber dennoch müssen wir wachsam sein gegen jegliche Art von Vorurteilen, die sich zu gefährlichen gesellschaftlichen Strömungen zusammenbauschen können.

Unabhängig davon ist es natürlich angebracht bzw. sogar geboten, autoritäre und antidemokratische Strömungen innerhalb verschiedener Religionen zu kritisieren. Aber wie gesagt, die Kritik  muss auf Argumenten beruhen und darf sich nicht gegen Menschen richten, die dadurch verächtlich gemacht werden.  

Hannes Swoboda