Populismus ist omnipräsent und daher in der Politik eines jeden Landes zu finden. Obgleich breiter Konsens über seine Präsenz besteht, so ist seine konkrete Bedeutung ausschliesslich in der jeweiligen Erscheinungssituation beurteilbar, da Populismus in vielfältigen Kontexten unterschiedlich definiert wird.

Populismus, abgeleitet vom lateinischen ‚populus’ - dem ‚Volk’, möchte vermeintlich die Herrschaft des Volkes erwirken. Die primitive Natur des Populismus setzt dabei fälschlicherweise die Existenz eines homogenen Volkes voraus. Es wird vernachlässigt, dass in Zeiten von Multikulturalismus und ökonomischer Globalisierung genau dieses eindeutig definierte, in sich geschlossene, Volk nicht existiert. Folglich handelt es sich bei ‚dem Volk’ stehts um ein Konstrukt, welches erst durch Ideologien seine Bedeutung erhält.

Zur Begriffsklärung ‚des Volkes’, bedient sich der Populismus der Schaffung von Feindbildern. So wird eine Definition primär durch Abgrenzung erzielt, was zu einem stark simplifizierten Verständnis des Volksbegriffes führt.

In der Historie dienten autokratische oder monarchische Systeme als willkommene Gegenspieler. Mit dem Einzug der Demokratie bot das System jedoch augenscheinlich keine geeignete Grundlage mehr. Daher entwickelte sich die Unzufriedenheit gegenüber der regierungspolitischen Realität als eine neue, wirkungsvolle Quelle für populistische Bewegungen. Diese Unzufriedenheit wird dadurch begünstigt, dass sich die breite Masse nicht der Imperfektion jeglicher Repräsentationssysteme - einschließlich der Demokratie – bewusst ist. Im Besonderen herrscht weitestgehend eine zu optimistische Erwartungshaltung gegenüber der direkten Realisierbarkeit einzelner Vorstellungen in demokratischen Systemen.  Ferner prägen Populisten den Volksbegriff zunehmend ethno-national und machen ‚andere’ nationale und ethnische Identitäten für die Unzufriedenheit innerhalb eines Landes verantwortlich. Sie grenzen basierend auf Religion, Kultur und Rasse ab, wobei ihnen der vorherrschende Multikulturalismus zu Gute kommt. Denn diesen verwenden sie als Projektionsfläche für bestehenden Unmut und die bestehende Politik wird für die multikulturelle Gegenwart verantwortlich gemacht. Dabei finden die ökonomischen und sozialen Vorteile einer multikulturellen Existenz keinerlei Berücksichtigung.

Dies offenbart eine Kernkomponente der gefährlichen Simplifizierungen des Populismus: Betrachtungen erfolgen lediglich aus einem Blickwinkel. Jede andere Perspektive wird nicht nur vernachlässigt, sondern ihr wird auch jegliche Existenzberechtigung aberkannt. Diese einseitige Betrachtungsweise wird durch Vorurteile, Intoleranz und Rassismus verstärkt, da hier ebenfalls eine singuläre Perspektive vorhanden ist. Aus diesem Grund ist eine Sensibilisierung der breiten Masse für Populismus und seine Methodik notwendig, damit Menschen bewusst Populismus erkennen und gezielt Ideologien hinterfragen, mit denen sie konfrontiert werden.

Annabell Gesang