Der Massenmord in Norwegen, am 22. Juli 2011, hat den latent mörderischen Charakter eines Extremismus bewiesen, der sich zunehmend am Feindbild Islam in einer intellektuell lächerlichen, gesellschaftlich aber potentiell tödlichen Hysterie hochrankt. Diese Art von mörderischer Gesinnung, die – wenn man sie lässt – in mörderische Taten mutiert, ist bekannt. Sie besteht in einer die Wirklichkeit krude verzerrenden Sicht, die nach einem als bedrohlich konstruierten „defining other“ verlangt, eben nach einem Feind, um das eigene abstruse Weltbild überhaupt konstruieren und rechtfertigen zu können.

„Der Islam“ des Massenmörders ist ein Konstrukt wie „das Judentum“

Jean Paul Sartre hat in seinem noch unter deutscher Besatzung 1943 geschriebenen und nach der Befreiung von Paris veröffentlichten Essay diese Zusammenhänge am Beispiel des Antisemitismus beschrieben und analysiert: Der Antisemitismus sagt überhaupt nichts über „die Juden“ aus, aber alles über die Antisemiten. Ähnlich ist die Weltsicht zu sehen, die hinter dem 22.Juli steht: „Der Islam“ des Massenmörders ist ein Konstrukt wie „das Judentum“ – und nicht die Realität.

In der Einleitung zu seinem Buch „The Second Plane“ (London 2008) schreibt Martin Amis: „I was once asked: ‚Are you an Islamophobe?’ And the answer is no. What I am is an Islamismphobe, or better say an anti-Islamist, because a phobia is an irrational fear, and it is not irrational to fear something that says it wants to kill you.” Kritik an bestimmten Formen des Islam, Angst vor Gewalttaten bestimmter Islamisten ist nicht nur legitim sondern eine die Wirklichkeit korrekt reflektierende Reaktion auf das, was ist: auf den 11.September, auf die Anschläge in Madrid und London.

Pull QuoteIslamophobie geht nicht von einer solchen differenzierenden Sicht aus. Islamophobie baut auf der Annahme, es geben den einen und einzigen Islam. Und diese Annahme ist falsch; genau so falsch wie hinter dem Massenmord von Norwegen „das Christentum“ zu sehen, nur weil der Mörder sich als militanter Christ zu erkennen gegeben hat.

Es ist richtig und wichtig, aufzuzeigen, was in den islamischen Schulen in Pakistan gelehrt wird und wie die Realität der Taliban- Herrschaft aussieht. Und es ist legitim, den demokratischen Staat und die Gesellschaft vor den real möglichen Attacken des Islamismus zu schützen. Aber es ist irreführend, den Islam in seiner Gesamtheit als Verursacher dieser Gefahren auszumachen; wie es auch nicht möglich ist, das Christentum insgesamt in Geiselhaft zu nehmen, wenn im Namen des Christentums Massenmord begangen wird – wie in Jerusalem, als im Jahre 1099 die siegreichen Heere der Kreuzritter alle Muslime und alle Juden der Stadt hinschlachteten.

Was ist daran spezifisch muslimisch?

Alles, was – zu recht oder zu Unrecht – „dem Islam“ entgegen gehalten wird, klingt allen vertraut, die christlich sozialisiert worden sind. Unterdrückung der Frauen? Monopolanspruch auf „die Wahrheit“? Höllenprophezeiungen für alle Ungläubigen? Paradiesische Belohnungen für die Märtyrer der eigenen Sache? Was ist daran spezifisch muslimisch – ist es nicht auch Teil der Geschichte des Christentums?

Der Unterschied zwischen Islam und Christentum ist ein Unterschied, der am besten mit dem Begriff Verspätung beschrieben wird. Das kirchlich organisierte Christentum hat – mit Ausnahme einiger protestantischen Kirchen – bis tief hinein in das 20.Jahrhundert gebraucht, um sich mit der politischen Demokratie, dem säkularen Staat und den universalen Menschenrechten abzufinden. Der Islam in seiner Gesamtheit braucht offenkundig etwas länger – obwohl die Affekte des Massenmörders von Norwegen gegen den „Multikulturalismus“ und das, was er „Kulturmarxismus“ nennt, analoge Züge zur fremdenfeindlichen Intoleranz aufweisen, der in islamischen Gesellschaften zu beobachten ist.

Gemeinsamkeit zwischen Islam und Christentum

Es mag sein, dass den islamisch geprägten Gesellschaften eine der europäisch-amerikanischen Aufklärung entsprechende Periode (noch) fehlt. Doch die Aufklärung setzte sich nicht mit dem, sondern gegen das organisierte Christentum insbesondere der Katholischen Kirche durch. Angesichts der zweitausendjährigen christlicher Geschichte ist eine Verspätung „des Islam“ gegenüber „dem Christentum“ von zwei, drei Generationen ein bescheidener Zeitraum. Auf diese Zeitspanne  kommt man, wenn die Aussöhnung der christlichen Kirchen mit der Aufklärung in der Mitte des 20.Jahrhunderts festmacht.

Die Gemeinsamkeit zwischen Islam und Christentum ist die fast unüberschaubare und widersprüchliche Vielfalt beider religiösen Traditionen. Die Konfliktlinien in islamischen Gesellschaften – im arabischen Raum, im Iran, in Pakistan, in Indonesien, anderswo – sind von einer Komplexität, die an die Konfliktlinien in christlichen Gesellschaften in einer nicht allzu lange zurückliegenden Vergangenheit erinnern. In den Niederlanden und in Deutschland waren noch tief ins 20.Jahrhundert hinein „Mischehen“ die Eheschließungen zwischen Katholiken und Protestanten – von beiden Kirchen mit tiefem Argwohn betrachtet und gerade noch akzeptiert. Das evangelikale Christentum in den USA hat in seinem Antimodernismus (Stichwort: Evolutionsdebatte) in wesentlichen Punkten mehr gemeinsam mit Islamisten als mit der amerikanischen Episkopalkirche.

Wolfgang Benz hat – leider – vollkommen recht, wenn er meint, gegen die Fülle von aggressiven Trugbildern und Wahnvorstellungen, die hinter dem Massenmord von Norwegen auszumachen sind, ist der Verweis auf die Wirklichkeit höchst unzureichend. Nur: Welches andere Mittel haben wir denn als die nüchterne Information, als das ständigen Aufzeigen der Widersprüche zwischen Wahn und Wirklichkeit?

Prof. Anton Pelinka, 15. 09. 2011


Meinungen der Leserinnen und Leser

Die Kommentare der Leserinnen und Leser geben nicht die Meinung des Instituts oder der Experten wieder.


Kurz der Beitrag und doch treffend 

sind die Worte, welche Anton Pelinka gefunden hat, um die allgemeine, anti-islamisch wuchernde gesellschaftliche Befindlichkeit im „Westen“ (die übrigens nur von Ausnahmen von einer antiislamistischen unterschieden werden kann) beim Namen zu nennen, deren Ursachen und „Querverweise“ zu ihnen anzureissen und in gehörige Erinnerung zu rufen.

Dennoch will der Hinweis aus mir zum Ausdruck kommen, dass grundsätzlich auch 10 Generationen nicht „zu lange“ wären (obgleich dieser Zeitraum ev. dann doch zu lange wäre – wollen wir überhaupt noch eine GEMEINSAME Zukunft gestalten) UND, dass mit „Komplexität“ – wie mir scheint, ein wenig zu wenig auf den definitiv nichtmuslimischen und schon gar nicht nichtislamischen Einfluss hingewiesen wird, welcher eine Stabilisierung in oben erwähnten muslimischen Ländern nachhaltig verzögert – verunmöglicht.

Muhammad Hanel, GSIW, Schweiz


Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen!

Sehr geerhter Prof. Pelinka,
ich finde es erfrischend, dass in unserer von einer zunehmenden Islamphobie infizierten Gesellschaft die Stimmen der Vernumpft und der differenzierten Betrachtung noch nicht gänzlich verstummt sind.
Natürlich gibt es im Islam radikale Strömungen, wie bei den Juden die „Zionisten“ oder bei den Christen die „Evangelikalen“ in den USA, nur vergisst die heutige Debatte das die Balance von Zivilisation und Barberei zwischen Christentum und Islam über einen sehr langen Zeitraum nicht zu Ungunsten des Islam ausfiel; die größte kulturelle Blüte hat Europa unter der maurischen Herrschaft in Spanien erlebt.
Auch wurden viele Erkenntnisse in Technik und Medizin von islamischen Gelehrten entwickelt und im christlichen Europa so lange vergessen bis sie neu entdeckt werden mussten. Die westliche Welt verdrängt leider all zu oft was sie dem Islam (und damit meine den richtigen Islam) verdankt.
Was diese feststehenden Dogmen angeht möchte ich betonen, dass sie so nicht stimmen, durch den Islam wurden die Frauenrechte sogar gestärkt und der Koran ruft weniger zu Krieg oder Gewalt auf als die Bibel.
In Deutschland gibt es sogar eine vermehrte Anzahl von Konvertierten und zwar sowohl von Islam zum Christentum als auch von Christen zu Islam, die Religionen des Buches sind im Koran als gleichwertig beschrieben.
Alles „Böse“ das wir im Islam sehen ist keine religiöse sondern eine politische Entscheidung von Einzelnen und all das kann man auch in unserer Welt sehen. Als Beispiel Israel, es ist traurig das gerade dieses Land dessen Volk Opfer einer der dunkelsten Perioden der Menschheit wurde sich die Zeit zum Vorbild ihrer Politik machte. Was ist der Gaza-Streifen anderes als ein KZ für 1,5 Millionen Menschen?
Die Palästinenser im Besonderen und die Muslime im Allgemeinen werden zu dem was die Juden vor 70 Jahren waren. Und diese Entwicklung ist traurig, da selten ein Volk aus den Fehlern der Vergangenheit lernte, aber gerade hier wäre es so nötig gewesen. Wir müssten darauf sehen was uns verbindet, nicht darauf was uns trennt, denn wo das hinführt haben wir in der Geschichte oft genug gesehen.
Und ich vermag nicht zu sagen ob wir einen solchen Pfad noch einmal beschreiten können ohne endgültig in den Abgrund zu gehen, alle gemeinsam und doch auf schreckliche Weise getrennt!

Holger Schadow, BRD


Die Notwendigkeit zu differenzieren

Prof. Pelinka hat Recht. In einer Zeit, in der sich eine hysterische Islamophobie immer mehr ausbreitet, ist eine Differenzierung in der Auseinandersetzung mit dem Islam eine Notwendigkeit. Die Frage allerdings ist, wer sorgt dafür, dass die Menschen diese Differenzierung auch leisten können? Differenzieren setzt vieles voraus. Man entscheidet sich bewusst dafür, sich mit den jeweils „Anderen“ auseinanderzusetzen, etwas über sie zu erfahren, die Komplexität der Vielfalt historisch und gegenwärtig zu erkunden, den „Anderen“ zu begegnen und nicht zuletzt bereit zu sein, seine eigenen Wahrnehmung, Stereotypen und Vorurteile zu revidieren! Leider können nur die wenigsten selbst die Grundlagen für diese Differenzierung erarbeiten, denn dafür ist ein gewisser, auch privilegierter Grad an Zeit, an leichtem Zugang zu Informationen, aber vor allem ein kritisches Bewußtsein notwendig. Sie sind darauf angewiesen, dass diese Informationen aufbereitet werden. Ein Blick auf die breitgestreute Literatur und die Medienwirklichkeit im Zusammenhang mit Islamophobie läßt erkennen, wie sehr wir noch am Anfang einer solchen bewußten Differenzierung stehen.
Differenzierung allein beruhigt aber nicht, denn sie kann auch gegen andere eingesetzt werden. Entscheidend ist eine emotionale Bereitschaft, die eine tiefergehende Art von Differenzierung ermöglicht. Dieser Zugang liegt in der Haltung gegenüber anderen Menschen, die nicht als erstes fragt, wer sie sind. Menschlichkeit, Empathie, also Einfühlungsvermögen in Menschen und ihre Lebensbedingungen lassen Menschen anderen helfen, mit ihnen sprechen, sie schätzen und notfalls auch schützen – weil es Menschen sind. So haben viele „einfache“ Leute Juden und Jüdinnen während der Nazizeit geholfen, ohne viel über das Judentum als solches gelernt zu haben. Menschen als Menschen begegnen, diese Fähigkeit gilt es zu stärken!
Prof. Pelinka weist zu Recht darauf hin: „Es ist richtig und wichtig, aufzuzeigen, … wie die Realität der Taliban-Herrschaft aussieht.” Doch wir müssen uns auch im Klaren sein, dass diese Instrumentalsierung des Islams für politische Zwecke nicht nur von uns erkannt wird, sondern insbesondere von vielen Musliminnen und Muslimen in den genannten Ländern. Sie wehren sich oft unter Einsatz ihres Lebens gegen eine solche Instrumentalisierung. Die Differenzierung verlangt von uns eine gewisse Bescheidenheit, mit der wir erkennen, dass wir nicht die Erziehungsbeauftragten für die Muslime sind. Daher ist unsere Aufgabe nicht nur ein „Aufzeigen“, sondern auch ein „Ausüben“ von Solidarität und Partnerschaft mit denen, die es wagen in der eigenen Gemeinschaft „aufzuzeigen“. Prof. Pelinka greift bestimmte Themen auf um zu zeigen, dass diese keine spezifisch muslimische Themen sind, sondern genauso im Christentum eine Rolle spielten bzw. spielen: Etwa die Rolle der Frau, der Anspruch auf eine absolute Wahrheit, die Höllenprophezeiungen, das Märtyrertum. Es sind Themen, die auch viele muslimische Denker aufgegriffen und kritisch beleuchtet haben; doch leider wird ihrer Stimme selten Gehör verschafft. Geht es etwa die Rolle der Frau im Islam, dann liegt die Differenzierung nicht etwa darin, die Stellung der Frau im Islam aus unserer christlichen Sicht zu kritisieren, sondern vielmehr darin, die bereits vorhandene feministische kritische Exegese von muslimischen Theologinnen wahrzunehmen und zu unterstützen. Erlauben Sie mir als Österreicherin mit christlichen palästinensischen Wurzeln hier auch die Ergänzung, dass die Kreuzritter bei der Belagerung von Jerusalem 1099 nicht nur Muslime und Juden abgeschlachtet haben, sondern genauso christliche Araber und Araberinnen.
Prof. Pelinka schließt mit der Frage: „Welches andere Mittel haben wir denn als die nüchterne Information, als das ständigen Aufzeigen der Widersprüche zwischen Wahn und Wirklichkeit?“ Diesem kann ich nur zustimmen. Gleichzeitig kann man der Frage nicht ausweichen, inwiefern eine Differenzierung gegen den sich immer mehr verbreitenden politischen Populismus hilfreich ist? In den letzten Jahren läßt sich ein Trend erkennen, dass rechte politische Parteien mit einfachen Parolen, Stereotypen und Vorurteilen eine regelrechte Hysterie vor dem Islam schüren. Ein Blick auf die Wahlplakate der FPÖ etwa bei den letzten Wahlen lässt erahnen, dass da kaum noch Platz für ein Interesse, sich überhaupt um eine Differenzierung zu bemühen. Man nehme nur den Slogan „Dahaam statt Islam“! Die Herausforderung ist daher meiner Meinung nach nicht nur die, durch Differenzierung in den sogenannten „intellektuellen Kreisen“, zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden zu können, sondern jene „Intellektuelle“ zu erkennen, die den Wahn der Islamphobie schon längst als Wirklichkeit verinnerlicht und propagiert haben. Demgegenüber wäre in Zukunft in der Politik, den Medien und allen gesellschaftsrelevanten Gruppen eine breitenwirksame Rhetorik zu gestalten, in der die emotionale Anerkennung aller Menschen, ihrer Würde und ihres Lebensrechts propagiert wird.

Viola Raheb, Österreich


Pflicht zur Menschlichkeit!

Wir sind nicht nur von Phobien befallen, sondern im letzten Jahrzehnt auch gleichgültig geworden.
Man sagt uns das wir uns Solidarität nicht mehr leisten können, da die Welt zum Pulverfass wurde.
Mir drängt sich dabei jedoch die Frage auf wie das sein kann, wie kann heute das Geld dafür fehlen, da der Wohlstand und auch die Verschwendungssucht so viel größer ist als vor fast 66 Jahren; als Europa in Trümmern lag, als man aus nichts eine gänzlich neue Welt erschaffen musste?
Womöglich nur aus dem trivialen Grund das die Macht des Geldes und besonders der herrschenden Politik noch niemals in der Geschichte so groß, so anmaßend, so egoistisch und was letzteres betrifft so weltfremd war wie heute!
Der 11. September hat vieles verändert, das wird keiner bezweifeln. Aber vor allem hat er eines gezeigt – Bin Laden hat gewonnen; er wollte die Demokratie der USA angreifen und gegen sie ins Feld ziehen und zumindest das ist ihm gelungen. George W. Bush und seine „Antiterrorgesetze“ haben die demokratischen Grundwerte der westlichen Welt de facto abgeschafft. Sicherheit ist uns wichtiger als Menschlichkeit – eine fatale Entwicklung.
Der Philosoph Walter Benjamin sah in dem Sinn der Geschichte nur eine Abfolge von Katastrophen, welche ohne Unterlass Trümmer auf Trümmer häuft – ich war noch nie so nah dran ihm Recht zu geben wie in diesen Tagen. Tunesien und Ägypten zeigen das nichts schärfer ist als das Schwert der Empörung eines ganzen Volkes, Früher war es einfacher, Gandhi empörte die Unfreiheit und die 68er empörte so ziemlich alles – doch was empört uns?
Wir führen einen Krieg den wir schon verloren haben, einen Krieg gegen Menschen die nichts mit den Konflikten zu tun haben. Die USA entschieden das wer nicht für sie sei, gegen sie sei; es bleibt ein Krieg gegen die Menschlichkeit, ein moderner Kreuzzug gegen den Islam und nicht gegen einzelne extreme Islamisten. Diese Kriegstreiberei mit Segen der USA hat ihre perfideste Blüte zweifelsohne im Verhältnis Israels zu den Palästinensern entfaltet. Keinem anderen Staat würde eine solche Politik erlaubt, in jedem anderen Land würden bereits US-Truppen einmarschieren um „die Freiheit zu bringen“! Nur wird dieser Staat in seiner geradezu menschenverachtenden Politik von eben dieser, selbsternannten „Weltpolizei“ gedeckt.
Um die Zustände zu erfassen sollte der Gaza-Bericht von Richard Goldstone aus dem September 2009 bestens geeignet sein (auch wenn er inzwischen etwas revidiert wurde), er spricht, selbst Jude und Zionist, aus was längst bekannt sein sollte, das die Operation „Gegossenes Blei“ und andere Maßnahmen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit dem Segen der Regierung in die Welt getragen haben.
Bis heute war es besonders die Schuld welche ganz besonders Deutschland gegenüber den Juden der Welt fühlte es die Israel erlaubt Verbrechen zu begehen ohne Konsequenzen zu fürchten.
Doch nun da die, welche mit der Gnade der späten Geburt beschenkt sind, sich mehren ist es an der zeit das auch Israel zu einem modernen Staat reift der seinen Platz in der internationalen Staatengemeinschaft einnimmt, mit ALLEN Pflichten und Konsequenzen daraus, die Zeit der Sonderbehandlung muss nach über 60 Jahren zu ende sein.
Deutschland wird immer den Schatten des Holocaust und der Shoa zu tragen haben, aber gerade deshalb haben wir ganz besonders die Verantwortung das Vergleichbares nie wieder geschiet.
Es ist eine Schande das gerade Israel die Ideologie des 3. Reichs wieder aufgegriffen hat, gerade die welche Tod und Unterdrückung erlebten dürften nicht zu den neuen Kerkermeistern des Totalirismus werden, gerade sie müssten wissen was es heißt geschlagen zu werden.
Doch wie so oft sind es die Geschlagenen welche die Peitsche führen, den was ist der Gaza-Streifen anderes als ein Gefängnis unter freiem Himmel für 1,5 Millionen Palästinenser?
Oder mehr noch ein KZ in dem man der Gnade der Wärter ausgesetzt ist, die so wenig Gnade kennen, dies von Israel aufgebaut zu wissen ist fast unerträglich. Gänzlich unerträglich ist hingegen die Erkenntnis, das Juden Kriegsverbrechen begehen können, auch noch nach den Schrecken des zweiten Weltkriegs.
Leider kennt die Geschichte nur wenige Beispiele von Völkern welche aus der Geschichte lernten, schade das dieses Volk nicht zu lernen oder zu teilen bereit war! Selbstverständlich halte ich den Terrorismus, auch den Terrorismus der Hamas gegen Israel, für unentschuldbar und inakzeptabel; aber ist es wirklich wahrscheinlich das ein Volk welches mit unendlich überlegenen technischen Mitteln besetzt gehalten und ihres eigenen Landes beraubt wird, gewaltlos reagiert? Israel nahm sich mehr als ihnen zustand und mehr als moralisch vertretbar war, welche Reaktion wäre da realistisch betrachtet zu erwarten gewesen?
Kein Diktator, kein Aggressor kann für längere Zeit ein besiegtes Volk mit Waffengewalt unterdrücken; nichts auf der Welt, nichts im Universum ist stärker und ausdauernder als der Wunsch, als das Anrecht auf Freiheit.
Gegen diesen Wunsch kann keine Regierung bestehen, ebenso wenig ein Tyrann mit seiner Armee; Tunesien und Ägypten haben es bewiesen und auch Israel wird es erkennen müssen wenn es nicht das Schicksal mit diesen Ländern teilen will.
Den Völkern und auch den Israeliten wurde diese Lektion schon mehr als einmal erteilt, nun werden sie es erneut lernen müssen, und wenn es auch noch 1000 Jahre dauern sollte, jedes unterdrückte Volk wird irgendwann frei sein, den die Herrschaft der Gewalt ist die Herrschaft des Augenblicks, Tyrannen und Regierungen die ein anderes Volk ihres Anrechts auf Freiheit berauben hinterlassen keine Spuren in der Geschichte.
Ein Kampf gegen die Welt kann niemals Erfolg haben, die Radikalen sind eine Gefahr, doch kämpfen tun wir bis heute gegen die Unschuldigen und die Zukunft der folgenden Generationen – mit welchem Recht?

Holger Schadow, BRD


Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich folge gerne Ihrer Einladung, am Dialogforum über Vorurteile teilzunehmen. Seit Jahren befasse ich mich mit dem friedlichen Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen. Zwangsläufig spielen dabei die muslimischen Mitbürger eine hervorstechende Rolle. Diesbezüglich habe ich mit Vertretern der IGGÖ und anderen namhaften Vertretern des Islam wiederholte Male gesprochen bzw. eine Klärung des Begriffes „Ungläubige“ zur Diskussion gestellt. Bis heute habe ich darauf keine Antwort erhalten.
So nahm ich auch an der Fachtagung „Das Unbehagen mit der Religion. Islamophobie und andere Phänomene“ am 18 06 2011 teil. Dort stellte ich nach vorheriger Absprache mit dem Mitveranstalter Univ. Prof. Elsayed Elshahed die Frage nach den „Ungläubigen“* und den für diese im Koran etc. vorgesehen Folgen wie Diskriminierung, Verfolgung und Tötung“.
Während es ganzen Verlaufs der Tagung wurde diese Frage nicht geklärt. Es wurde auch nicht klargestellt, dass unsere Gesetze die verbindende Klammer für alle in Österreich lebenden Menschen sind. Die Gesetzwidrigkeiten des Islam wurden ebensowenig an angesprochen.** Die Zusammenfassende Aussage der Tagung war, dass Angst vor dem Islam eine kranhafte Veranlagung sei.

Ist Ihrer Meinung nach die Frage nach den „Ungläubigen“ ein Vor-urteil? Ich erwarte gerne Ihre Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Dr. Harald Fiegl


* im Alltag wir das Feindbild „Kreuzritter“  in islamischen Ländern von der Grundschule weg konserviert

** das österreichische Islamgesetz 1912 gewährt „den Lehren des Islams, seinen Einrichtungen und Gebräuchen“ Religionsfreiheit, „insofern sie nicht mit den Staatsgesetzen im Widerspruch stehen“. (BM Fekter als Innenministerin sprach stets von der Deutungshoheit des Gesetzes. Dr. Josef Cap sagte beim Bürgerforum des ORF 2 am 18 01 2011 „wir wollen das politische Bekenntnis des Islam nicht).
Die Aufforderung zu Gewalt steht im Koran und muss im Grunde von jedem Moslem befolgt werden. Der Bischof Macram Gassis aus dem Sudan, der auf Einladung von Kirche in Not in Wien war, führte Klage über die feige Haltung des Westens.
Es wäre wohl zu untersuchen, inwieweit der Begriff „Ungläubige“ im Sinne unserer Gesetze ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz ist.
Bemerkenswerter Weise wird  der „EU-RAHMENBESCHLUSSES 2008/913/JI DES RATES vom 28. November 2008 zur strafrechtlichen Bekämpfung bestimmter Formen und Ausdrucksweisen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ auf den Begriff „Ungläubige“ nicht angewandt, obzwar „die öffentliche Aufstachlung zu Gewalt oder Hass gegen eine nach den Kriterien der Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Herkunft definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe“ unter Strafe gestellt wird (Offizialdelikt)

Dr. Harald Fiegl, Österreich


Auch Halbwahrheiten sind Lügen!

Sehr geehrter Herr Fiegl,
leider muss ich Ihnen bescheinigen, dass Sie sich der sachlichen Diskussionsgrundlage beraubt haben, und somit soweit es mich betrifft für diese Diskussion untragbar sind. Halbwahrheiten sind auch Lügen und somit ein Nährboden für Vorurteile; diese Stelle soll der Auflösung von Vorurteilen dienen; nicht ihrer Verfestigung. Weder ruft der Koran explizit zur Gewalt auf (zumindest nicht in dem Ausmaße wie es Thora oder Bibel tun), noch hat die Feindesbildsindoktrinierung mit dem Bildnis des Kreuzritters etwas mit der religiösen Identität der besagten Länder zu tun. Fehler und Probleme sind nicht zu leugnen, doch ist niemanden gedient wenn man hier eine Hetze und Islampseudokritik betreibt; allein schon der Satz „Die Aufforderung zu Gewalt steht im Koran und muss im Grunde von jedem Moslem befolgt werden“ disqualifiziert Sie für jede weitere Diskussion, welche ein anderes Ziel verfolgt als bestehende Klischees und Vorurteile zu stärken. Ich hoffe Sie besinnen sich eines Besseren und beteiligen sich in adäquater und sachlicher Weise am Gespräch.

Bartimäus Mandrago, Deutschland


Was sagen Sie zum Abdullah-Dialogzentrum in Wien?

Sehr geehrte Herren Experten,
was sagen Sie zum neuen König-Abdullah-Dialogzentrum in Wien? Hier der ORF-Bericht:http://oe1.orf.at/artikel/288284 – und hier die Kritik der Grünen an dem Ganzen: http://www.gruene.at/menschenrechte/artikel/lesen/76075/  – ich habe den Eindruck, dass die kritischen Stimmen mehr gehört werden sollten.
Würde mich über Diskussion freuen!

Dorothea Gmeiner-Jahn, Mediatorin u. Dialogarbeit i. Verein GBKL, Österreich


Dummheit als Vorurteil! Vorurteil als Dummheit?

Verallgemeinerungen führen eigentlich immer ins Dunkel. Die „Finsternis“ ist in diesem Fall noch weit reichender als man es allgemein vermuten würde.
Dummheit und Ignoranz sind heutzutage Synonyme für das selbe Phänomen. Wahre Dummheit zeigt sich in Intoleranz und dogmatisiertem Fanatismus (egal aus welcher Quelle genährt), nicht in einem einfachen Gemüt. Die heutigen Hetzreden (auch und besonders im Westen) sind die Worte von Blinden in einer Welt die sich weigert zu sehen, gefährlicher als Gewalt und Dummheit ist die Ignoranz der Gewalt und die Glorifizierung der Dummheit als „WAHRE WORTE“
Der Mensch ist fähig aber nicht Willens sich zu ändern, Intelligenz wie wir sie auffassen, durch kalten Verstand, ist kein Garant für Zivilisation.
Die Führung des 3. Reichs war nach der kalten Definition intelligent und man hat gesehen das diese Intelligenz sie nicht zurückhielt, Verstand und Weisheit gehen nicht immer mit einander einher. Ein wacher und offener Verstand ist wichtiger als mechanische Informationsanhäufung, Dummheit entsteht durch dumme Taten und diese haben nichts mit geringer Intelligenz zu tun. Der Mensch ist fähig zu geistigen Evolution, jetzt ist es an uns diese einzuläuten, es ist ein steiniger Weg der sich über unser archaisches Erbe hinwegsetzen und Schwierigkeiten sowie die menschliche Dummheit überwinden muss.
Aber es wird in unserer globalisierten Welt bald der Zeitpunkt kommen wo wir uns entscheiden müssen zwischen dem was bequem ist und dem Richtigen.
Es gibt für alles einen leichten, schnellen, bequemen und unbeschwerlichen Weg- den falschen!
Nun muss jeder für sich entscheiden ob er diesen gehen will, die Entscheidung beinhaltet nicht weniger als die Wahl zwischen Zukunft und Rückfall in die Schatten unserer Vergangenheit welche sich nie wiederholen sollten und dürfen, wir müssen den Weg wählen! Wir als Menschen sind noch nicht weit genug vorangekommen in unserer Geschichte um zu begreifen, das jedes mal wenn die Wissenschaft eine Tür aufstößt, dahinter zwei neue Türen, welche man bis dato nicht kannte verbergen.
Jetzt sind es Tausende Türen welche es noch zu öffnen gilt, beim alten Sokrates waren es vielleicht gerade mal zehn. Vielleicht denken die unter ihnen welche von unseren Fortschritten begeistert sind das der Tag nahe ist an dem wir alles wissen. Aber das ist unmöglich, wir werden immer neue Türen zu öffnen haben, hinter dehnen dann weitere Türen warten, das ist das kafkaeske unseres Lebens.
Als Inbegriff der Dummheit existiert das Vorurteil, d.h. die Menschenwürde eines anderen zu verletzen. Aber was ist Menschenwürde?
Nicht in allen Ethiken könnte man sich auf eine Antwort einigen, unter Ajatollah Khomenie war es möglich eine zwölfjährige hinzurichten, weil sie in den Augen der Obrigkeit schuldfähig waren.
Jetzt könnte man sagen das dass dem Anti-Islam-Bestrebungen Vorschub leistet, aber genau so dachte man vor Knappen 100 Jahren auch im Herzen Europas, im England der viktorianischen Epoche konnte ein liebevoller Familienvater in seiner Funktion als Richter ohne Gewissensbisse eine hungernde Zwölfjährige zum Tot durch den Strang verurteilen weil sie einen Laib Brot stahl.
In Teilen der Welt herrscht immer noch diese Meinung, und diese sind nicht an die Islamische Welt gebunden wie manche gerne behaupten, die USA befinden zum Beispiel die Todesstrafe noch als adäquates Rechtsmittel.
Was man hier verstehen muss ist das die Völker sich in verschiedenen Phasen ihrer kulturellen Evolution befinden, jedoch zur gleichen Zeit, das ist nach Ernst Bloch die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Die Menschen blicken zu kurz um die Chancen zu sehen welche die Welt nur im Ganzen besitz.
Die Islamphobiker sollten darüber nachdenken das die Grenze von Barbarei und Zivilisation lange nicht zu Ungunsten des Islam ausfiel, Spanien erlebte seine Blütezeit als Beispiel unter maurischer Herrschaft.
Der Zweifel war und ist der größte Antagonist des Vorurteils, Descartes war der erste Europäer der aus dem Zweifel heraus eine Position zu beziehen versuchte. Er sagte das er Augen und Ohren verschließe, denn was er sieht könnte eine Illusion sein, was er hört eine Lüge. Denn alles was man berichtet bekommt hat man nicht selbst erlebt oder geprüft es ist also ein Vorurteil im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wo das Wissen an seine Grenzen stößt beginnt das Glauben! Wem sein „gesunder Menschenverstand“ sagt er soll nur glauben was er berühren kann, der soll vortreten und diesen Menschenverstand auf den Tisch legen An dem Gauben an eine höhere Macht kann man sich festhalten (egal welche Form es hat). Die Kraft welche daraus erwächst hat schon vielen gefallenen Seelen Flügel geschenkt.
Dabei ist es egal ob es eine höhere Instanz wirklich gibt, etwas an dem man sich im tiefsten Dunkel festhalten kann ist wichtiger als die Gewissheit das man wirklich erhört wird, eine Frage nach der Existenz des Gottes an den man zu glauben bereit ist, ist nutzlos, beim Glauben kommt es nicht auf die Existenz an sondern nur auf das glauben als solches, wo Glauben befähigt, wo es tröstet sich geborgen zu fühlen und wo es jemanden anleitet das Leid ganz real zu lindern da ist der Glaube nie fehl am Platz und dort ist Gott so real wie nur irgend möglich nämlich als Prinzip in seinen Kindern.
Ob Christ oder Moslem, beides kann in Fanatismus enden und beides kann heilsam sein. Mutter Theresa sagte: „Wenn du nicht tausend Menschen retten kannst, dann rette eben einen einzigen!“ und die jüdische Lehre lehrt uns: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“ Die Dualität dieser beiden Worte ist die Grundessenz von dem Was wir Menschlichkeit, Menschenwürde und Gott nennen vereint in einer Dreifaltigkeit wie sie sakraler nicht sein könnte!
Also ist es an uns die Türen aufzustoßen um neue Wege zu erschließen. Leider ist nicht nur das Wissen eine Tür sondern auch das Vorurteil, eine Tür zu einem Raum der nie geöffnet wurde ohne Fenster und so fest verschlossen das kein Wind je die Abgestandene Luft aufzuwühlen vermochte erst wenn wir diesen Raum öffnen und den alten Gedanken die Weite der Welt zeigen an der sie wachsen können werden wir die Schlüssel zu so vielen der Türen erhalten welche uns sonst auf ewig verschlossen blieben es ist an uns. NUTZEN WIR DIESE CHANCE, als eine Welt und eine Menschheit, DENN EINE ZWEITE WERDEN WIR NICHT BEKOMMEN!!!
Wenn der Antagonist des Vorurteils der Zweifel sein sollte dann ist sein Komplize die Bequemlichkeit im Duo mit Rechthaberei. Aber ist der halbstarke Stammtischheld der Frauen und Ausländer beschimpft immer der dumme Mensch den wir sehen wollen, ist womöglich die Dummheit ein weiterer Komplize des Vorurteils, bis zu einem bestimmten punkt sicherlich den das Vorurteil ist zu dumm seine Verfehlungen zu erkennen. Wenn man sich die Medienpräsens von ganzen Herden von Dummköpfen ansieht die öffentlich (meist in irgendwelchen Talkshows) ihre Meinungen kund geben, könnte man durchaus zu dem Schluss kommen das ein Vorurteil in einer hohlen Birne besonders fruchtbare Blüten treibt.
Nur leider sind es nicht die Nachmittagstalkshowbesucher die die Welt ins Dunkel stürzen, da man ihre Vorurteile meist schon aus einer instinktiven Antipathie als Dummheit erkennt, es sind die kalkulierenden Wahnsinnigen die wir fürchten sollten. Goebbels, der hinkende Kettenhund des „Führers“ war alles andere als dumm, er war ein sehr intelligenter Verbrecher der seine Vorurteile subtil und kalkuliert unter das Volk streute welches sich blenden ließ.
Pol Pot der Schlächter von Kambodscha hat als junger Mann in Paris studiert und eine theoretische Arbeit über die Abschaffung des Geldes verfasst, in der Heimat setzte er die Theorie auf grausamste weise in die Tat um.
Vorurteil, Dummheit und Bildung/Intelligenz sind also völlig autonome Begriffe welche in jeder Konstellation vorstellbar sind, ein Mensch kann hoch intelligent sein aber zu sehr mit Vorurteilen behaftet um zu erkennen wie dumm er ist. Und so Jemand kann nicht selbst erkennen was er der Welt antut, deshalb müssen wir alle mit wachem Geist und offenen Augen durch die Welt gehen.

Theobaldis Mayer, Deutschland


Persönliches Kennenlernen hilft

Dem Schwinden meiner Vorurteile bzw. meines Unwissens hilft am meisten, dass ich Menschen anderer Zugehörigkeiten persönlich im Gespräch kennenlerne. Diese Erfahrung mehr Menschen zu ermöglichen, ist das Berührende und Bewegende an der Organisation von Dialogveranstaltungen – auf Augenhöhe: jede/r TN wird zum Mitreden und Zuhören animiert. Hier in Salzburg veranstalten wir (Verein GBKL) dzt. eine Dialogserie mit 3 Abenden, wo Salzburger/-innen mit Bezug zu arabischer und/oder hebräischer Kultur mit Menschen ohne diese Bezüge ins Gespräch kommen. Von den TN haben wir viele begeisterte Rückmeldungen.

Dorothea Gmeiner-Jahn, Mediatorin u. Dialogarbeit i. Verein GBKL, Österreich


Etwas wenig Beteiligung

Über eine Vertiefung dieser Thematik kann man nur froh sein, leider scheint dieses Angebot in der breiten Öffentlichkeit noch recht unbekannt zu sein.
Vorurteile gedeihen im großen wie kleinen immer dort wo man nur sie hört, deshalb ist es um so wichtiger die generelle Beschäftigung mit der Vorurteilskunde mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.
Die Klischeeliebe der öffentlichen Meinung und hier besonders die Meinungsbildung im Bereich der hier geschilderten Islamophobie ist dabei zur feststehenden „Wahrheit“ zu werden.
Und ein Vorurteil (zum Guten wie zum Bösen) das diesen Schritt erst einmal getan hat ist kaum noch zu wiederlegen, deshalb ist es so wichtig die Aufmerksamkeit auf dieses Themengebiet zu lenken, eine gute Absicht kann nichts bringen wenn sie nicht bekannt ist.
Als bestes Beispiel dient dieses Forum selbst, auch wenn 10 oder 100 mal so viele es lesen wie hier schreiben ist das trotzdem ein verschwindet kleines Klientel, also werte „Mitautoren“ ersuche ich sie ihre Meinungen hier Kund zu tun um die Bilanz noch etwas nach oben zu setzen.
Dann wird der Funke bestimmt leichter auf noch offene Geister überspringen.

Hildegurt Zibbel, BRD


Replik auf die Lesermeinungen

Zwischen den Beiträgen von Holger Schadow und von Harald Fiegl liegen Welten. Ich muss mich aber gegenüber beiden abgrenzen, weil beide – mit gegenläufiger politischer Intention – polemisch vereinfachen, bzw. selektiv wahrnehmen:

Holger Schadow nennt den „Zionismus“ in einem Atemzug mit christlichem und moslemischem Fundamentalismus. Das ist nicht zu akzeptieren, weil Zionismus sich dem Nationalismus-, nicht aber dem (religiösen) Fundamentalismus-Vorwurf zu stellen hat. Die Religionsfreiheit der Muslime ist in Israel sicherlich ungleich besser garantiert als die Religionsfreiheit aller Nicht-Muslime in Saudi-Arabien. Und dass Holger Schadow rasch bei einer auf die USA und Israel zielenden, generellen  Schuldzuweisung landet – und dabei Ruanda und Darfur und Sri Lanka und viele andere genozidale Vorgänge „vergisst“, an denen den Staat Israel nicht irgendeine Schuld trifft; und den USA höchstens vorgeworfen werden kann, nicht eingegriffen zu haben – das alles widerspricht diametral dem antiamerikanischen und antizionistischen Weltbild.

Harald Fiegl übersieht wiederum die Gewaltimplikationen, die in den heiligen Büchern aller abrahamitischen Religionen zu lesen sind. In diesen Büchern ist massenhaftes Morden immer wieder gerechtfertigt. Die Religionsgemeinschaften können sich davon durch eine historisierende Interpretation emanzipieren, und es kann argumentiert werden, dass der Islam in diesem Emanzipationsprozess nachhinkt. Aber den islamischen Fundamentalismus als mörderisches Einzelphänomen herauszugreifen – mit Berufung auf heilige Bücher, heißt, die im Namen (des christlichen) Gottes erfolgten Massenmorde der Kreuzfahrer ignorieren.

Noch etwas zum König Abdullah-Dialogzentrum: Es ist sicherlich notwendig, diese Institution zu beobachten. Aber vor dem Hintergrund des (islamischen und christlichen) Fundamentalismus ist die Einrichtung eines solchen Dialogzentrums nicht a priori zu verurteilen.

Prof. Anton Pelinka, 30. 11. 2011

Wolfgang Benz