Im Rahmen der Vorstellung der diesjährigen Fresacher Toleranzgespräche (siehe Fresach.org) diskutierten wir die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Tourismus. Dabei wurde auch die Migration als eine bestimmte Form des Reisens analysiert. Was jedenfalls diesen verschiedenen Formen des - freiwilligen und erzwungenen - Reisens eigen sein sollte ist der gegenseitige Respekt.
In ein fremdes Land zu fahren sollte immer auch vom Respekt für die Kultur und Eigenheiten des Landes getragen sein. Aber auch die Menschen des Gastlandes sollten im Besucher nicht bloß ein Objekt des "Abzockens" sehen.
Und dasselbe gilt ja auch für die Migration. Wer in ein fremdes Land kommt und dort um Aufnahme und Unterstützung ansucht, sollte nicht nur die Verfassung, sondern auch die Gebräuche und Verhaltensregeln des Landes respektieren und akzeptieren. Das setzt aber voraus, dass die Menschen des zukünftigen Gastlandes auch den "Flüchtling" als Menschen in Not respektieren. An erster Stelle sollte nicht Misstrauen stehen sondern der Respekt gegenüber seinen Bedürfnisse. Respekt bedeutet auch dass man ihm/ihr Zeit gibt sich an die neue Heimat zu gewöhnen, dass er/sie dabei auch auf Hilfe rechnen können. Dieser grundsätzliche Respekt, der auch Offenheit und Lernbereitschaft zum Ausdruck bringt, hilft auch Vorurteile abzubauen oder erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Übrigens ist dieser Respekt etwas was uns nicht nur beim Reisen und bei Begegnung mit fremden  Kulturen hilft. Wenn man sich so manche Schimpftiraden und "shit storms" in den sogenannten sozialen Medien ansieht, dann wird man erkennen wie wenig Respekt vorhanden ist und wie dieser Mangel das Gemeinsame zerstört und das Zusammenleben erschwert. Vielleicht haben wir auch in unseren Gesellschaften schon verschiedene, manchmal unversöhnliche Kulturen - dann aber ist es schwierig neuen Kulturen gegenüber offen zu sein. Aber in einer unweigerlich "globalisierten" Welt müssen wir alle daran arbeiten mit Respekt auf einander zu zu gehen.

P.S.: Ein Besuch im neugestalteten und faszinierenden Wiener Weltmuseum kann helfen Respekt vor anderen Kulturen zu entwickeln. Ein solcher Besuch kann auch dazu beitragen, manche europäische Arroganz abzutragen.

Hannes Swoboda