Das Sir Peter Ustinov Institut möchte in Zusammenarbeit mit der Peter Ustinov Stiftung Frankfurt im Rahmen dieses Forums eine öffentliche Auseinandersetzung über gesellschaftliche Entwicklungen führen, die vorurteilsbehaftet und damit hinsichtlich eines harmonischen Zusammenlebens der Gesellschaft bedenklich sind (→ mehr dazu).
Zu diesem Zweck haben wir zwei renommierte Wissenschaftler, den Historiker Professor Wolfgang Benz (Berlin) und den Politologen Professor Anton Pelinka (Wien/Budapest), eingeladen, zusammen mit weiteren Expertinnen und Experten Themen aufzugreifen, die von Ressentiments geprägt sind, um diese unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu analysieren.
Als Leser haben Sie die Möglichkeit, zu jedem Expertenbeitrag Stellung zu nehmen. Wir freuen uns über alle Einsendungen und werden mit dem Ziel einer konstruktiven Diskussion besonders relevante Leserkommentare veröffentlichen. Die ExpertInnen werden auf Ihre Kommentare summarisch antworten.
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Die Kommentare der Leserinnen und Leser geben nicht die Meinung des Instituts oder der Experten wieder.
Eines sollte den Menschen endlich klar werden
Politik, die in nationalen Grenzen gefangen ist wird
mit Sicherheit nicht in der Lage sein, die Herausforderungen der
heutigen Zeit auch nur ansatzweise zu bewältigen. Wenn man aus diesem
Teufelskreis nicht endlich raus kommt, wird die Demokratie zerrieben
zwischen der Politikverdrossenheit des Volkes und den global
agierenden Kräften, die sich um regionale Befindlichkeiten nicht zu
kümmern brauchen.
Thomas Wetschnig, Österreich
EU
Die europäische Zusammenarbeit hat Europa den Frieden
gebracht und gesichert. Dass das nicht immer so bleiben muss, haben
die kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien
gezeigt.
Nicht nur in Jugoslawien, auch in anderen Bereichen ist die
Europäische Union dabei ihren bewährten Prinzipien untreu zu werden
und ihre Zukunft zu gefährden.
(1) In der Jugoslawienkrise ist sie von ihrem bewährten Grundsatz
keine Grenzveränderungen zuzulassen abgegangen. Sie hat damit
nationalen Interessen Rechnung getragen, die sich seither zunehmend
negativ bemerkbar machen.
(2)In der derzeitigen Finanzkrise wird die gemeinsame Partnerschaft
durch eine Trennung der Mitglieder der EU in fleißige und
verantwortliche und in korrupte und faule Staaten in Frage gestellt.
Ausgegrenzt wird auch Großbritannien, dem nicht zugestanden wird im
Rahmen der bestehenden Verträge seine Interessen wahrzunehmen.
(3) Die bisherigen überzeugenden Fortschritte in der europäischen
Zusammenarbeit wurden durch gemeinsam koordinierte, wenn auch mühsame
Schritte erzielt. Einen wesentlichen Beitrag leistete die
Bundesrepublik Deutschland bzw. das wiedervereinigte Deutschland durch
seine politische Zurückhaltung. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass
eine europäische Vormacht, wie sie sich im deutsch französischen
Direktorium abzuzeichnen beginnt, das "Europa der Vaterländer"
langfristig nicht voranbringen wird. Noch bedenklicher machen
Andeutungen, dass das deutsch -französische Direktorium bereits von
der deutschen Bundeskanzlerin beherrscht wird.
Was Europa heute dringend braucht, ist eine Rückkehr zu seinen
ursprünglichen Traditionen mit einer behutsamen, von allen
Mitgliedstaaten verantworteten, demokratisch legitimierten
Weiterentwicklung der Europäischen Union.
Gerhard Rainer,
Österreich
Nix Bsunders!
Wenn jemandem etwas nicht passt, und er nicht weiß, wer daran Schuld ist, dann flüchtet er sich in eine Pauschalbeschuldigung: "De Weana!" (in den ö. Bundesländern) oder allgemein "De da oben!"
Wenn der Beschuldigte auch noch großkopfert ist, wie die EU-Behörden, wenn sie Österreich dazu verpflichten, als kleiner Staat die Medizinstudenten für den großen Nachbarstaat auszubilden, dann gewinnt eine solche Beschuldigung an Berechtigung.
Und wenn die Verständigung mit "den Großkopferten da oben" noch dadurch erschwert wird, dass sie weit weg sind, z.B. in Brüssel, dann entsteht ein schwer auszurottendes Vorurteil. Das kann man Nationalismus nennen oder auch anderswie, jedenfalls wird es sich noch oft wiederholen.
Georg Potyka, Österreich