Gastprofessuren
Das Sir Peter Ustinov Institut hat 2004 gemeinsam mit der Universität Wien die "Sir Peter Ustinov Professur der Stadt Wien" eingerichtet, die alljährlich besetzt wird.
Ziel ist, hervorragende Wissenschafter aus der ganzen Welt für Vorlesungen zu gewinnen, durch die das Wissen über die Wirkungsweisen von Vorurteilen inhaltlich erweitert und räumlich verbreitet wird. Die Vorlesungen sind öffentlich zugänglich und mit einem Seminar für Studierende verbunden.
Die Gastprofessur ist am Institut für Zeitgeschichte verankert, um die Verbundenheit mit Gegenwartsproblemen zu unterstreichen. Über die Auswahl der Professoren berät der wissenschaftliche Beirat des Instituts.
Gastprofessur 2012
Die Ustinov Gastprofessur wird im Jahr 2012 ausnahmsweise erst im Wintersemester besetzt. Der deutsche Historiker und Journalist Götz Aly wird sich in Rahmen seiner Vorlesung und seines Seminars dem Thema
„Nachdenken über die Vorgeschichte des Holocaust – Antijüdische und nationalistische Ressentiments in Europa 1880 bis 1940. Ähnlichkeiten und Unterschiede“
widmen. Die genauen Termine und Veranstaltungsorte folgen.
Werke Götz Alys
- Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück, 2008, ISBN 978-3-10-000421-5 (Interview)
- Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945, Bd. 1: Deutsches Reich 1933-1937, Hrsg.: Götz Aly, Wolf Gruner, Susanne Heim,Ulrich Herbert, Hans Dieter Kreikamp, Horst Möller, Dieter Pohl, Hartmut Weber; Oldenbourg Verlag, München 2007, 811 S., Gebunden, ISBN 3-486-58480-4, Rezensionen im Perlentaucher
- Mit Michael Sontheimer: Fromms – Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2007, 220 S., ISBN 3-10-000422-1
- Als Hrsg.: Volkes Stimme. Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus. Fischer TB Verlag, Frankfurt a. M. 2006; 224 Seiten, ISBN 3-596-16881-3 (Rezension von Harald Welzer in: Die Zeit, Nr. 48, 23. November 2006)
- Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2005, ISBN 3-89331-607-8 (Bundeszentrale für Politische Bildung), ISBN 3-10-000420-5 (Fischer)
- Im Tunnel. Das kurze Leben der Marion Samuel 1931–1943, 2004, ISBN 3-596-16364-1
- Mit Christian Gerlach: Das letzte Kapitel. Der Mord an den ungarischen Juden, 2004, ISBN 3-596-15772-2 (Rezensionen)
- Rasse und Klasse. Nachforschungen zum deutschen Wesen, 2003, ISBN 3-10-000419-1
- Macht, Geist, Wahn. Kontinuitäten deutschen Denkens, 1999 (zuerst 1997), ISBN 3-596-13991-0
- „Endlösung“. Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden, 1999 (zuerst 1995), ISBN 3-596-50231-4
- Mit Susanne Heim: Das Zentrale Staatsarchiv in Moskau („Sonderarchiv“). Rekonstruktion und Bestandsverzeichnis verschollen geglaubten Schriftguts aus der NS-Zeit, Düsseldorf 1992
- Demontage…: Revolutionärer oder restaurativer Bildersturm?, 1992, ISBN 3-87956-183-4
- Mit Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung, 2004 (zuerst 1991), ISBN 3-596-11268-0
- Mit Monika Aly, Morlind Tumler: Kopfkorrektur oder Der Zwang gesund zu sein, 1991, ISBN 3-88022-063-8
- Aktion T4 1939–1945. Die „Euthanasie“-Zentrale in der Tiergartenstraße 4, 1989, ISBN 3-926175-66-4
- Mit Peter Chroust und Hans-Dieter Heilmann Biedermann und Schreibtischtäter. Materialien zur deutschen Täter- Biographie, 1987, ISBN 3-88022-953-8
- Mit Karl Heinz Roth: Die restlose Erfassung. Volkszählen, Identifizieren, Aussondern im Nationalsozialismus, 2000 (zuerst 1984), ISBN 3-596-14767-0
- Warum die Deutschen? Warum die Juden? -Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800 - 1933. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. ISBN 978-3-10-000426-0.
Bisherige Gastprofessorinnen und Gastprofessoren:
Im Sommersemester 2011 ist Prof. Dr. Shalini Randeria "Sir Peter Ustinov-Gastprofessorin der Stadt Wien zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen". Sie ist Ordentliche Professorin für Ethnologie an der Universität Zürich.
Das Thema ihrer beiden Lehrveranstaltungen lautet: Reproduction, State Interventions and Women´s Bodies: Global Designs
and Local Life-worlds. Die Vorlesungen von Prof. Randeria sind öffentlich zugänglich. > Termine und Orte (PDF) > Kursbeschreibung (PDF)
Die Lehrveranstaltungen finden geblockt im Juni 2011 statt.
Erster Termin: 30. Mai 2011, letzter Termin: 29. Juni 2011.
Montags wöchentlich (30.5. bis 27.6.) 10.00-12.00 Uhr
Ort: Hörsaal 34 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 6;Mittwochs wöchentlich (1. bis 29.6.) 10.00-12.00 Uhr
Ort: Hörsaal 34 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 6Freitag 10.6. 10.00-12.00 Uhr
Ort: Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9;Freitag 17.6. und 24.6. 10.00-12.00 Uhr
Ort: Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Forschungsbereich
Globalisierung und Governance: Die Wechselwirkung zwischen internationalen Institutionen, subalternen Staaten und nichtstaatlichen Aktoren;
Anthropologie von Staat, Entwicklung, öffentlicher Politik (public policy): Bevölkerungspolitik und Gender, Privatisierung von kollektiven Ressourcen;
Rechtsanthropologie, Rechtspluralismus, Transnationalisierung des Rechts, nichtstaatliche Institutionen im Gebiet des Familienrechts;
Multiple Modernen und Postkolonialismus;
Zivilgesellschaft und soziale Bewegungen.Forschungsregion
Südasien, IndienKurzbiographie
Shalini Randeria ist Ordentliche Professorin für Ethnologie an der Universität Zürich seit 2003.
Von 2007 bis 2009 war sie Präsidentin der European Association of Social Anthropologists (EASA). Sie ist zur Zeit Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Mitglied des International Sociological Association (ISA) Board of the Research Committee (RC 09) über Transformation und Soziologie der Entwicklung. Sie ist Mitglied in wissenschaftlichen Gremien mehrerer europäischer Forschungsnetzwerke und Institutionen sowohl innerhalb wie auch außerhalb von Universitäten.
Sie ist zudem Mitglied des wissenschaftlichen Gremiums des universitären Forschungsschwerpunkts "Asien und Europa" sowie Mitglied in den Kuratorien der MA-Studiengänge "Kulturanalyse" und "Gender Studies".
Sie studierte Soziologie und Sozialanthropologie an den Universitäten Delhi und Heidelberg und doktorierte und habilitierte an der Freien Universität Berlin. Sie war ein Rhodes Scholar an der Universität Oxford, Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Max Weber Professorin für Soziologie an der Universität München und Ordentliche Professorin und Institutsvorsteherin am Institut für Soziologie und Sozialanthropologie an der Zentraleuropäischen Universität Budapest.
Vortrag von Prof. Randeria im Rahmen der Wiener Vorlesungen
"Enteignen, entrechten, ausgrenzen: Wirtschaftswachstum, Infrastrukturaufbau, Slums und Vision Bombay 2020"
am Dienstag, den 7. 6. 2011, um 19 Uhr
Ort: Wiener Rathaus, Volkshalle, Zugang: Lichtenfelsgasse 2, 1010 Wien
Im Sommersemester 2010 ist Andrei S. Markovits Ustinov-Gastprofessor. Er ist Arthur F. Thurnau Professor und Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies an der University of Michigan, Ann Arbor.
Das Thema seiner Lehrveranstaltungen lautet:
Sportkulturen im weltweiten Vergleich - Die emanzipatorischen und diskriminierenden Dimensionen von Massensport in industriellen Gesellschaften.
Kurzbiographie von Andrei S. Markovits
Markovits ist Politikwissenschafter und Soziologe an der University of Michigan in Ann Arbor. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählt neben der Befassung mit Demokratietheorien, der Neuen Linken, Antiamerikanismus sowie Antisemitismus auch die Beschäftigung mit Sport.
Aktuelle Publikationen:
- Uncouth Nation: Why Europe dislikes America (Princeton: Princeton University Press, 2007).
(auf Deutsch: Amerika, dich hasst sich’s besser. Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa, Hamburg: KVV konkret, 2004)- Querpass: Sport und Politik im transatlantischen Raum (Göttingen: Verlag Die Werkstatt, 2007), mit Lars Rensmann
Inhalte: Kaum eine andere soziale Institution ist von ihrem Selbstverständnis her so meritokratisch, und damit egalitär und auch emanzipatorischer, als der moderne Sport. Gleichzeitig aber verkörpert der moderne Sport auch Charakteristika der Exklusion, der Diskriminierung, und anderer Faktoren, die sozial reaktionärer Natur sind. Auf der methodologischen Grundlage einer historisch beeinflussten vergleichenden politischen Wissenschaft (comparative politics) und politischen Soziologie wird versucht, modernen Sport als Massenkultur in den westlichen Demokratien Europas und Nordamerikas zu analysieren.
Ziele: Überblick zu wichtigen Entwicklungen des Sports als Massenkultur in Europa und Amerika, mit Exkursen in andere Teile der Welt, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute; Verständnis von den kosmopolitischen und konterkosmopolitischen Dimensionen des modernen Sports
Zeitplan MO 03.05.2010 Vortrag im Rahmen der Wiener Vorlesungen, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus (1010 Wien, Wipplingerstraße 8)
Sport: Motor und Impulssystem für Emanzipation und Diskriminierung
- Überblick über die anschließende VorlesungsreiheDie folgenden Vorlesungen finden in verschiedenen Räumlichkeiten der Universität Wien statt. MI 05.05.2010 11.00-13.00Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum FR 07.05.2010 11.00-13.00Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum MO 10.05.2010 11.00-12.30Auditorium Maximum Hauptgebäude, Tiefparterre, Stiege 10 MI 12.05.2010 11.00-12.30
Hörsaal 23 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 5 FR 14.05.2010 11.00-13.00
Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum MI 19.05.2010 11.00-12.30
Hörsaal 23 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 5 FR 21.05.2010 11.00-13.00
Hörsaal 47 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8 MI 26.05.2010 11.00-12.30
Hörsaal 23 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 5 FR 28.05.2010 11.00-12.30
Hörsaal 47 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 8 MO 31.05.2010 11.00-13.00Hörsaal D Unicampus Hof 10 Hirnforschungzentrum Art der Leistungskontrolle: Schriftliche Arbeiten.
Für ein Zeugnis über die Vorlesung muss eine schriftliche Prüfung geleistet werden. Der erfolgreiche Seminarabschluss benötigt die Verfassung einer auf Forschung beruhenden wissenschaftlichen Arbeit.
Literatur:
Christiane Eisenberg, "English Sports" und Deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800 - 1939
Christiane Eisenberg, Fußball, soccer calico. Ein englischer Sport auf seinem Weg um die Welt
Fabian Braädle und Christian Koller, Goooal!!! Kultur- und Sozialgeschichte des modernen Fußballs
Allen Guttmann, A Whole New Ball Game: An Interpretation of American Sports
Allen Guttmann, From Ritual to Record: The Nature of Modern Sports and Sports Spectators
Simon Kuper and Stefan Szymanski, Soccernomics: Why England Loses, Why Germany and Brazil Win, and Why the United States, Japan, Australia, Turkey - and even Iraq - Are Destined to Become the Kings of the World’s Most Popular Sport
Franklin Foer, How Soccer Explains the World: An (Unlikely) Theory of Globalization
Benjamin G. Rader, American Sports: From the Age of Folk Games to the Age of Televised Sports
David Karen und Robert Washington, The Sports and Society Reader
Robert Washingon und David Karen, Sport, Power, and Society: Institutions and Practices - A Reader
Eva Kreisky und Georg Spitaler, Arena der Männlichkeit. Über das Verhältnis von Fußball und Geschlecht
Fan Hong und J.A. Mangan, Soccer, Women, Sexual Liberation: Kicking off A New Era
Andrei S. Markovits und Steven Hellerman, Im Abseits. Fußball in der amerikanischen Sportkultur
Andrei S. Markovits und Lars Rensmann, Querpass. Sport und Politik in Europa und den USA
Andrei S. Markovits und Lars Rensmann, Gaming the World: How Sports Are Reshaping Global Politics and Culture
Wolfgang Maderthaner, Alfred Pfoser, Roman Horak, Die Eleganz des runden Leders
Die Gastprofessur zur Vorurteilsforschung wurde im Sommersemester 2009 von Professor Dr. András Kovács (Central European University, Budapest)) wahrgenommen.
Professor Kovács bot eine Vorlesung und ein Seminar zu folgendem Thema an:
Roma, Juden und andere Minderheiten in Osteuropa: Historische Vorurteile aus sozialwissenschaftlicher Perspektive
Zur Person:
András Kovács ist seit 1999 Professor an der Central European University, wo er im Programm Nationalismusstudien arbeitet und als wissenschaftlicher Leiter des Programms „Jewish Studies“ tätig ist. Er arbeitet außerdem am Institut für Minderheitenforschung an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören insbesondere Untersuchungen zu Antisemitismus, sowohl in Ost-Mittel-Europa, aber auch in Westeuropa.
Aktuelle Buchpublikationen:
- NATO, Neutrality and National Identity: the case of Austria and Hungary. (Ed. with Ruth Wodak) Böhlau Verlag, Wien – Köln – Weimar, 2003
- New Jewish Identities. (Ed. with Zvi Gitelman, Barry Kosmin) Central European University Press, Budapest, New York, 2003
- Jews and Jewry in contemporary Hungary: results of a sociological survey. Institute for Jewish Policy Research, London 2004.
- Jewish Studies at the Central European University. Vol. 4. 2003-2005. (Ed.) CEU Jewish Studies Project, 2006. Budapest
Block 1:
Vorurteile, Stereotypen, Nationalismus und MinderheitenDie Themen der Veranstaltungen
- Stereotypen und Vorurteile: Theorien und empirische Forschungsmethoden I
- Stereotypen und Vorurteile: Theorien und empirische Forschungsmethoden II
- Nationalismus; Nationale und ethnische Stereotypen und Vorurteile I
- Nationalismus; Nationale und ethnische Stereotypen und Vorurteile II
- Empirische Fallstudien zu nationalen und ethnischen Vorurteilen
- Wie erklären die Sozialwissenschaften die Entstehung und Funktionen der persönlichen und Gruppenstereotypen und Vorurteile?
- Mit welchen Methoden werden Stereotypen und Vorurteile von Soziologen und Sozialpsychologen untersucht?
- Konzepte über die Entstehung der Nationen und der Nationalstaaten; perennialistische, konstruktivistische und ethnosymbolistische Erklärungen
- Was bedeutet Minderheit zu sein? Der Begriff der Minderheiten
- Der wechselnde Status der Minderheiten in den Nationalstaaten; Ausgrenzung und Anerkennung
- Minderheitsstrategien gegen Ausgrenzung und Diskriminierun
Literatur
- Theorien über Vorurteile und Stereotypisierung
- Gordon W. Allport: The Nature of Prejudice. Teil 1. K. 1. und 5.; Teil 3. K. 12.
- Henri Tajfel: Human groups and social categories. Ch. 7. und Ch. 15.
- Hilde Weiss: Antisemitische Vorurteile in Österreich. Theoretische und empirische Analysen. Wien, Braumüller, 1987. S. 5-36.
- Nation, Nationalismus, Minderheiten
- Anthony D. Smith: National identity. Penguin Books, London, 1991. Ch. 1.; Ch. 4.
- Katherine Verdery: Whither "nation" and "nationalism"? Daedalus, June 1993. (http://www.articlearchives.com/humanities-social-science/anthropology-archaeology/931745-1.html)
- Rogers Brubaker: Ethnicity without groups. In: R. Brubaker: Ethnicity without groups. Harvard University Press, 2004, S. 7-27
- Hilde Weiss, Christoph Reinprecht: Demokratischer Patriotismus oder ethnischer Nationalismus in Ost-Mitteleuropa? Böhlau Verlag, Wien 1998. S. 17-46.
Block 2:
Antisemitismus
Die Themen der Veranstaltungen
- Antisemitismus als Problem der Sozialwissenschaften
- Antisemitismustheorien: Psychologie, Sozialpsychologie; Soziologie
- Antisemitismus im kommunistischen und postkommunistischen Ost-Europa
- Empirische Untersuchungen über judenfeindliche Vorurteile in den postkommunistischen Ländern
- Warum wird Antisemitismus als ein paradigmatisches Vorurteil behandelt?
- Wie wird Antisemitismus von den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen interpretiert und untersucht: psychoanalytisch orientierte Antisemitismustheorien, die Sündenbock-Theorien, soziologische und historische Gruppenkonflikt-Theorien
- Wie wird ein Vorurteilssystem politisiert: Entstehung und Erklärung des politischen Antisemitismus
- Der Antisemitismus in den ehemaligen Ländern des „Realsozialismus": Gibt es eine historische Kontinuität zwischen Vorkriegs- und Nachkriegsantisemitismus? Gab es neue, spezifische Formen des Antisemitismus in den kommunistischen Systemen? Wie behandelte die kommunistische Politik die antisemitischen Erscheinungen? Gab es offiziellen Antisemitismus und koordinierte antisemitische Politik in diesen Ländern?
- Was sind die Ursachen der Verstärkung der antisemitischen Vorurteile in den postkommunistischen Staaten? Wie hängt dieses Phänomenon mit der Veränderung des politischen und ökonomischen Systems zusammen? Wie wird Antisemitismus mit empirischen Methoden untersucht und was sind die Ergebnisse der letzten Untersuchungen?
Literatur
- Reinhard Rürup – Thomas Nipperdey: Antisemitismus – Entstehung, Funktion und Geschichte eines Begriffs. In: R. Rürup: Emanzipation und Antisemitismus. Studein zur "Judenfrage" der bürgerlichen Gesellschaft. Fischer, Frankfurt/M. 1987. S. 120-144.
- Gavin I. Langmuir: Toward a Definition of Antisemitism. University of California Press, LA. 1996. Ch. 14/ 4-5. S. 326-352.
- Robert Wistrich: Antisemitismus im 20. Jahrhundert. Ein Überblick. P. Bettelheim, S. Prohing, R. Streibel (Hrsg.): Antisemitismus in Osteuropa. Picus Vlg. Wien 1992. S. 15-24.
- Shulamit Volkov: Antisemitismus als kulturelle Code. In: Sh. Volkov: Jüdisches Leben und Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. C.H. Beck, München, 1990. 13-36.
- Klaus Holz: Demokratischer Antisemitismus. In: K. Holz: S. Die Gegenwart des Antisemitismus. Hamburger Edition, 2005. 54 – 78.
- Werner Bergmann: Politische Psychologie des Antisemitismus. In: H. König (Hrsg.): Politische Psychologie heute. Leviathan, Sonderheft, 9/1988. Westdeutscher Verlag, Opladen. 218-234.
- Andras Kovacs: Hungarian Jewish Politics from the End of the Second World War until the Collapse of Communism.In: Ezra Mendelsohn (ed.): Jews and the State. Dangerous Alliances and the Perils of Privilege. Studies in Contemporary Jewry, XIX. Oxford University Press, Oxford, 2004. p. 124-156.
- Andras Kovacs: Judenfeindschaft als politische Kode. Antisemitismus in Ungarn. In: Lars Rensmann, Julius H. Schoeps (Hrsg): Feindbild Judentum. Antisemitismus in Europa. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2008. 377-398.
- Beate Kosmala: Das Bild der Juden nach der Shoa: "Bewegliche Vorurteile" im polnischen Diskurs. In: Ch. V. Braun – E.M. Ziege (Hrsg.): "Das bewegliche Vorurteil. Aspekte des internationalen Antisemitismus. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2004. S. 153-174.
- Ireneusz Krzeminski: Nationale Opferkonkurrenz und Beharrlichkeit der Tradition: Antisemitismus in Polen und der Ukraine. In: Lars Rensmann, Julius H. Schoeps (Hrsg): Feindbild Judentum. Antisemitismus in Europa. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2008. 347-376.
- Michael Shafir: Varieties of antisemitism in post-communist East Central Europe. Motivations and Political Discourse. In: Andras Kovacs – Eszter Andor (Eds.): Jewish Studies at the CEU. Vol. III. Budapest, CEU 2004. S. 175-210.
Block 3:
Die Roma in OsteuropaDie Themen der Veranstaltungen
- Zigeuner in Osteuropa: historischer Überblick bis Ende des Zweiten Weltkrieges
- Zigeunerpolitik in den Ostblockländern nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Lage der Roma in der postkommunistischen Periode: Ergebnisse empirischer Untersuchungen I
- Die Lage der Roma in der postkommunistischen Periode: Ergebnisse empirischer Untersuchungen II
- Die Roma und die Politik: Alternativen und Perspektive
- Wie entstand historisch die Roma-Diaspora in Europa? Was war der Status der Roma in Europa vor dem 2. Weltkrieg? Aspekte der Verfolgung der Roma in der Zeit des 2. Weltkrieges
- Was heißt "Roma": Ist es eine sozialpolitische, ethnische, kulturelle oder politische Kategorie?
- Wie erschienen die Roma im Kontext der offiziellen Ideologie der kommunistischen Staaten? Wie wollten die osteuropäischen Staaten die Roma-Bevölkerung integrieren?
- Die legale, soziale und politische Situation der Roma in den postkommunistischen Gesellschaften: Ergebnisse empirischer Untersuchungen; Wie stark sind die romafeindlichen Vorurteile, wie erscheint die Diskriminierung der Roma in verschiedenen Bereichen: Arbeitsmarkt, Schulung, Gesundheitswesen, Politik?
- Aus welchen Perspektiven sollen die Probleme und Konflikte um die Roma-Bevölkerung behandelt werden: die sozialpolitischen, minderheitspolitischen und menschenrechtspolitischen Kontexte;
Literatur
- Leo Lucassen – Wim Willems: Gypsies in Europe, the Ottoman empire and India 1400-1914. Paper, revised version of Leo Lucassen & Wim Willems, 'The Weakness of well-ordered societies', published in Review XXVI (2003) no. 3, pp. 283-313.
- Sevasti Trubeta: "Gypsiness," Racial Discourse and Persecution: Balkan Roma during the Second World War. Nationalities Papers, Vol. 31, No. 1, 2003
- David M. Crowe: The International and Historical Dimensions of Romani Migration in Central and Eastern Europe. Nationalities Papers, Vol. 31, No. 1, 2003.
- Reimer Gronemayer: Zigeunerpolitik in den sozialistischen Ländern Osteuropas. In: R. Gronemayer (Hrsg.): Eigensinn und Hilfe. Zigeuner in der Sozialpolitik heutiger Leistungsgesellschaften. Focus Vlg., Giessen, 1983. S. 43-183.
- Gail Kligman: On the Social Construction of "Otherness" – identifying the 'Roma' in Postsocialist Communities. In: Review of Sociology, No.2. 2001
- Zoltan D. Barany: Living on the Edge: The East European Roma in Postcommunist Politics and Societies. Slavic Review, Vol. 53, No. 2 (Summer, 1994), pp. 321-344
- Larry Olomoofe: In the Eye of the Beholder: Contemporary Perceptions of Roma in Europe. In: http://www.errc.org/
- Claude Cahn: The Unseen Powers: Perception, Stigma and Roma Rights. In: http://www.errc.org/
- Henry Scicluna: Anti-Romani Speech in Europe's Public Space - The Mechanism of Hate Speech. In: http://www.errc.org
Die Gastprofessur zur Vorurteilsforschung wurde im Sommersemester 2008 von Professor Dr. Verena Kast (Universität Zürich) wahrgenommen.
Professor Kast bot eine Vorlesung und ein Seminar zu folgendem Thema an:
Vorurteil aus tiefenpsychologischer Sicht.Menschen haben nicht nur offene, sondern auch geheime Vorurteile, wie Forschungen mit dem impliziten Assoziationstest (IAT) nahe legen. In der Tiefenpsychologie C. G. Jungs finden sich viele Konzepte, um diese impliziten Vorurteile zu verstehen, sichtbar zu machen und auch zu verarbeiten. Zum Beispiel das Konzept des persönlichen und des kollektiven Schattens, die Komplextheorie und die Symbolik, die Theorien des kulturellen und des kollektiven Unbewussten, die Traumtheorien und die Konzepte zur Imagination. Konzepte, die für die Entwicklung des Individuums und dessen Beziehungen, aber auch zur therapeutischen Behandlung von großer Wichtigkeit sind, die anstelle von Vorurteil Offenheit setzen, können auch Hinweise geben, wie in gesellschaftlichen Situationen Vorurteile aufgespürt und wie mit ihnen umgegangen werden kann.
Ziele: Sensibilisierung auf alltägliche und geheime Vorurteile, neuer Umgang damit, Überlegung, wie dieser Umgang in die Gesellschaft hinein getragen werden könnte
Literatur:
Kast Verena (2002) Der Schatten in uns. Die subversive Lebenskraft. dtv, München
Kast Verena (2007) Die Tiefenpsychologie nach C. G. Jung, Kreuz, StuttgartStudium der Psychologie, Philosophie und Literatur, Promotion in Jungscher Psychologie; Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, Dozentin und Lehranalytikerin am dortigen C. G. Jung-Institut und Psychotherapeutin in eigener Praxis.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, unter anderem: Trotz allem Ich. Gefühle des Selbstwerts und die Erfahrung von Identität (2003), Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses (2002), Lass dich nicht leben - lebe! Die eigenen Ressourcen schöpferisch nutzen (2002), Vom Sinn der Angst (1996), Vater-Töchter, Mutter-Söhne (1994)
Begriffsbestimmung, Kontext
4.3.2008 Was sind Vorurteile? Was nützen sie? Was verhindern sie? Ich und die andern
Tiefenpsychologische Erklärungsansätze
5.3.2008 Komplextheorie (C. G. Jung). Eine Konflikt- und eine Entwicklungstheorie
6.3.2008 Der Schatten und die Projektion des Schattens
7.3.2008 Die Projektion des kollektiven Schattens und das Böse
Emotionen und Vorurteile
20.5.2008 Ärger und Frustration
16.6.2008 Angst
17.6.2008 Scham
20.6.2008 Neid
24.6.2008 Selbstwertgefühl, Selbstachtung, Anerkennungskultur; Tradierung von Vorurteilen über kulturelle Muster
25.6.2008 Träume und Imagination als Anregung, Vorurteile zu korrigieren
27.6. 2008 Prüfung
Die Gastprofessur zur Vorurteilsforschung wurde im Sommersemester 2007 von Professor Dr. Wolfgang Benz (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin) wahrgenommen.
Professor Benz bot eine Vorlesung und ein Seminar zu folgendem Thema an:
Völkermord im 20. Jahrhundert. Zur Geschichte des Genozids vom Vorurteil zur "ethnischen Säuberung"Mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg begann ein Jahrhundert der Genozide, die als Ausrottung ethnisch/religiös/kulturell unerwünschter Minderheiten ihren Höhepunkt im Holocaust, dem nationalsozialistischen Rassenkrieg gegen die Juden fanden. Daneben wurden aufgrund der NS-Ideologie auch Slawen verfolgt, Sinti und Roma waren erst Objekte der Ausgrenzung, dann des Genozids. Die Völkermorde in Asien und Afrika nach 1945 sind in die Betrachtung - die nach Motiven, Gemeinsamkeiten und Unterschieden fragt - ebenso einbezogen wie die "ethnischen Säuberungen" auf dem Balkan und aktuelle Probleme.
Literatur:
- Boris Barth, Genozid, München 2006.
- Wolfgang Benz, Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord. Genozid im 20. Jahrhundert, München 2006.
- Miran Dabag/Kristin Platt (Hrsg.), Genozid und Moderne, Opladen 1998.
- Alison des Forges, Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda, Hamburg 2002.
- Wolfgang Gust, Der Völkermord an den Armeniern, München 1993.
- Norman M. Naimark, Flammender Haß. Ethnische Säuberung im 20. Jahrhundert, München 2004.
- Christian P. Scherrer, Ethnisierung und Völkermord. Genozid in Rwanda, Bürgerkrieg in Burundi und die Rolle der Weltgemeinschaft, Frankfurt a. M. 1997.
- Yves Ternon, Der verbrecherische Stat. Völkermord im 20. Jahrhundert, Hamburg 1996.
- Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage", Hamburg 1986.
Vorlesungstermine:
15. März 2007
Vom Vorurteil zum agierten Feindbild: Pogrom - Massaker - Völkermord, Begriffsbestimmungen und Beispiele Judenpogrome im zaristischen Rußland29. März 2007
Kolonialkrieg als Völkermord. Der „Hereroaufstand“ in Deutsch-Südwestafrika 190426. April 2007
Der Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg10. Mai 2007
Judenmord in Europa unter nationalsozialistischer Herrschaft24. Mai 2007
Vom Holocaust zum Genozid an Sinti und Roma14. Juni 2007
Völkermord in Bosnien. Tradierter Hass und die Probleme von Prävention und Sühne21. Juni 2007
Ruanda 1995 - Gleichgültigkeit und Ohnmacht der Welt angesichts des fernen GenozidsWolfgang Benz, Historiker, seit 1990 Professor an der Technischen Universität Berlin und dort Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, zum Antisemitismus, zu Minderheiten- und Migrationsproblemen, zuletzt Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord, Genozid im 20. Jahrhundert; Das Dritte Reich. Die 101 wichtigsten Fragen; Umgang mit Flüchtlingen. Ein humanitäres Problem; Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung.
Emotionen und Geschichte: Psychodynamische Perspektive in moderner Österreichischer Geschichte mit besonderer Berücksichtigung kultureller und sozialer Vorurteile.
Die Lehrveranstaltungen fanden geblockt im Juni 2006 statt.
Dr. Peter Loewenberg, Historiker und Psychoanalytiker, ist Professor für Geschichte und Politische Psychologie an der UCLA sowie Dekan des Psychoanalytischen Instituts in Südkalifornien. Er forscht und lehrt schwerpunktmäßig in den Bereichen Europäische Geschichte, Politische Psychologie und "Psycho-Geschichte", wobei er einen psychologischen und psychoanalytischen Zugang verfolgt.
Aktuelle Publikationen u.a.:
"Wild Analysis: A New Freud Translation," Journal of the American Psychoanalytic Association, Vol. 53, No. 3 (2005), 973-979.
"Sigmund Freud, Max Weber, and the Shoah," Tel Aviver Jahrbuch für deutscher Geschichte, XXXII (Göttingen: Wallstein Verlag, 2004), 135-147.
"The Psychology of Creating the Other in National Identity, Ethnic Enmity, and Racism," in Nancy M. Wingfield, ed., Creating the Other: Ethnic Conflict and Nationalism in Habsburg Central Europe (New York: Berghahn Books, 2003), 243-256.
"Aggression in World War I: The Deepest Part of Sigmund Freud’s Self-Analysis," in Conflict and Cooperation: The Individual Between Ideal and Reality, ed. Günther Baechler and Andreas Wenger (Zürich: Neue Zürcher Zeitung Publishing, 2002), 81-92.
Im Sommersemester 2005 wurde die Professur von Dr. phil. Aleida Assmann wahrgenommen, die seit 1993 Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz (Deutschland) ist.
Professor Assmann begannt mit ihren Lehrveranstaltungen in der Woche vom 6. Juni 2005 und bot sowohl eine (öffentlich zugängliche) Vorlesung als auch ein Seminar (mit Zugangsbeschränkung) zum Thema "Geschichte, Gedächtnis, Identität" an.
Die Vorlesung war öffentlich zugänglich und fand am Montag, den 6.6.2005, von 10 bis 12 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität (im Hauptgebäude der Universität Wien: 1010 Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1 ) und in der Folge im Hörsaal 16 (ebenfalls im Hauptgebäude) jeweils von 10 bis 12 Uhr an folgenden Tagen (Dienstag, Mittwoch und Donnerstag) statt: 7.6., 8.6., 9.6., 14.6., 15.6., 16.6., 21.6., 22.6., 23.6.
In der Vorlesung wurden 10 Vorträge zu den folgenden Themenkomplexen gehalten:
- Persönliche Erinnerung zwischen Authentizität und Gedächtnisfälschung
- Dynamisierung der Erinnerung im Wandel der Generationen
- Fragen der Vergangenheitspolitik
- Orte und Speicher des kulturellen Gedächtnisses
Es werden Grundbegriffe der Gedächtnisforschung vorgestellt und an spezifischen Fallgeschichten erläutert. Es wird darum gehen, theoretische Konzepte mit konkreten Problemen in der Weise zu verschränken, dass die Theorie zu einem besseren Verständnis der konkreten Fälle beiträgt und die Fallbeispiele die theoretischen Voraussetzungen weiter differenzieren. Dabei soll auch die Thematik des ‘Vorurteils’ besonders berücksichtigt werden.
[ Von individuellen zu kollektiven Konstruktionen von Vergangenheit •]
Das Seminar wird die Thematik der Vorlesung in 13 Doppelstunden erarbeiten. In der ersten Hälfte werden folgende vier Romane unter der Leitfrage Erinnerung und Vorurteil gelesen:
George Orwell, 1984
Günter Grass, Im Krebsgang
Reinhard Jirgl, Die Unvollendeten
Saul Bellow, The Bellarosa Connection
In der zweiten Hälfte werden die Themenkomplexe 'Vergangenheitspolitik’ und 'Orte und Speicher des Kulturellen Gedächtnisses’ anhand einer Textsammlung diskutiert, die den Seminar-Teilnehmern in Form eines Reader zugänglich gemacht wird.
(Informationen für interessierte Studierende unter: www.univie.ac.at/zeitgeschichte/ )
Interview mit Dr. Aleida Assmann in dieUniversitaet-online.at
Die Professur wird im Sommersemester 2004 erstmals besetzt, und zwar mit Professor Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter (Gießen, Deutschland).
Professor Richter hat einen bedeutenden Namen als Psychoanalytiker, Psychiater und Sozialphilosoph. Er ist Autor viel respektierter Werke wie: "Eltern, Kinder und Neurose", "Der Gotteskomplex", "Alle reden vom Frieden", "Als Einstein nicht mehr weiterwusste", "Das Ende der Egomanie", "Chance des Gewissens" und "Wanderer zwischen den Fronten". Er hat einen wesentlichen Beitrag zur Analyse zeitgeschichtlicher Entwicklungen geleistet und sich für den Frieden und für eine konstruktive internationale Zusammenarbeit persönlich sehr engagiert. Das Sir Peter Ustinov Institut schätzt sich glücklich, Herrn Professor Richter für diese Aufgabe gewonnen zu haben.
Professor Richter bietet sowohl eine (öffentlich zugängliche) Vorlesung als auch ein (auf 25 TeilnehmerInnen beschränktes) Seminar zum Thema "Umgang mit dem Bösen" an. Beide Lehrveranstaltungen werden eine Sozial- und Wirkungsgeschichte des "Bösen" (Manichäische und vorurteilsbeladene Weltbilder und Praxis) von der Antike bis zur Gegenwart in der Philosophie, Religion und Politik zum Gegenstand haben.
Die Vorlesung ist öffentlich zugänglich und findet geblockt in der Zeit vom 22. März bis 2. April 2004 sowie vom 14. bis 25. Juni 2004 statt. Die Termine für den 2. Block sind der 14., 16., 18., 21. und 23. Juni, jeweils von 18.00 bis 19.30 Uhr, Hörsaal C1, Uni-Campus, Hof 2, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien.
[EINFÜHRUNG] [VORLESUNGSPLAN] [IN MEMORIAM SIR PETER]
Das Programm der beiden Lehrveranstaltungen:
1.Teil: Das Böse im Frühchristentum und im Mittelalter
Einklang des griechischen Menschen mit dem göttlichen Kosmos. Es gibt das seelische Höhere und das Niedere (Platon), also noch keine Gut/Böse Spaltung. Allmähliches Schwinden des antiken Weltvertrauens. Flucht aus Depression und Angst in fieberhafte Ausgelassenheit: Rom als "Hure Babylon". Senecas Gedicht vom Weltende. Die Apokalypse des Johannes. Christliche Heilshoffnung im Kampf mit dem Dualismus der Manichäer. Augustins Gnadenlehre gleichzeitig eine Herrschaftsgarantie der Kirche. In der Inquisition verfolgt der Klerus das projizierte eigene Schlechte. Die Psychopathologie des Kreuzzugs-Wahns. Versöhnungsgedanken in der arabischen (Ibn Rushd), der jüdischen (Maimonides) und der christlichen Philosophie (Albertus Magnus). Die Verschlingung des Bösen mit dem Heiligen: Elisabeth, Franziskus, Klara in der Verflochtenheit mit den Ketzerverfolgern Konrad von Marburg bzw. Papst Gregor IX.
2.Teil: Das Böse in der Neuzeit
Die Naturwissenschaft als neue Magie auf dem Weg der wahnhaften Selbstvergöttlichung des Menschen. Aus der mittelalterlichen Ohnmacht zum neuzeitlichen Bemächtigungswillen. Aus Angst vor Rückfall in Schwäche Flucht in Allmachtshoffnungen. Abspaltung der Sensibilität gleich Minderwertigkeit, gleich Weiblichkeit von Rationalismus, gleich Fortschritt, gleich Mannhaftigkeit.
Nietzsche versus Schopenhauer.
Die Explosion megalomanischer Technik auf Kosten der Selbstversklavung der Menschen (General Bradley: "Wir leben im Zeitalter der nuklearen Riesen und der ethischen Zwerge.") Die Hexenjagden der Neuzeit. Die Gewaltkette der Moderne: Terrorismus Krieg als undurchschaute gemeinsame Selbstzerstörung. Visionäre und Kämpfer für Humanisierung: Brandt, Gorbatschow, Mandela, Friedensbewegung, attac: Eine andere Welt ist möglich!
Literatur 1. Teil
- Flasch, K.: Augustinus Bekenntnisse. Reclam
- Segl, P. (Hg.): Die Anfänge der Inquisition. Böhlau, Köln 1993
- Erbstösser, M.: Die Kreuzzüge. Bastei/Lübbe Tb. 64159
- Feld, H.: Franziskus und seine Bewegung. Primus Verl. Darmstadt 1996
- Burckhardt, J.: Die Kultur der Renaissance in Italien. Reclam
- Segl, P. (Hg.): Die Anfänge der Inquisition. Böhlau, Köln 1993
Literatur 2. Teil
- Richter, H.-E.: Der Gotteskomplex. Econ Tb
- Schopenhauer, A.: Über das Fundament der Moral
- Nietzsche, F.: Zur Genealogie der Moral
- Mandela, N.: Der lange Weg zur Freiheit
- Richter, H. E.: Ist eine andere Welt möglich? Kiepenheuer & Witsch 2003
- Bauman, Z.: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1992
- Schopenhauer, A.: Über das Fundament der Moral
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Das Sir Peter Ustinov Institut ist besonders auf drei Gebieten aktiv: