Sir Peter Ustinov Institut
zur Bekämpfung und Erforschung von Vorurteilen


SIR PETER USTINOV INSTITUT
ZUR ERFORSCHUNG UND BEKÄMPFUNG VON VORURTEILEN

[Gründung und Ziele] [Sir Peters Motive] [Aufgaben] [Finanzierung] [Aktivitäten]
[Wissenschaftlicher Beirat] [Vorstandsmitglieder] [Ehrenmitglieder] [Chronologie] [Publikationen]


Gründung des Instituts

Das Institut wurde am 11. August 2003 auf Initiative und unter persönlicher Mitwirkung von Sir Peter Ustinov in Wien in der Rechtsform eines Vereins gegründet. Bei einer Mitgliederversammlung am 4. September 2003 wurde der Vorstand bestellt: Sir Peter übernahm den Vorsitz. Das Institut begann seine Tätigkeit.

Die Gründung war durch einen "Letter of Intent" möglich geworden, den Sir Peter, der Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny unterzeichneten und damit dem Institut eine Basisfinanzierung sicherten.


Sir Peter Ustinovs Motive

Sir Peter betrachtete das Vorurteil als weit verbreitete Ursache von Leid und Zwist, welches die blanke Unkenntnis als Waffe benutzte.

Er wollte die Menschen dazu aufrufen, überlieferte Meinungen und Traditionen auf ihre Wahrhaftigkeit zu überprüfen und immer wieder zu hinterfragen. Er wollte erreichen, dass die Entstehungs- und Wirkungsstrukturen von Vorurteilen transparent gemacht und Lern- und Wissensangebote vermittelt würden. Dadurch wollte er Vorurteilen und Feindbildern den Boden entziehen.

"Sein" Institut sollte in diese Richtung wirken. Als Weltbürger und Humanist wollte Sir Peter – neben seinem eindrucksvollen künstlerischen Schaffen - auch einen persönlichen Beitrag zu einer besseren, konfliktfreien und friedlichen Welt leisten.

Warnungen vor Vorurteilen und deren schädlichen Folgen hat uns Sir Peter vielfach hinterlassen. Eine stellt das Motto dar, welches er am 13. Dezember 2003 für die Homepage des Instituts geschrieben hat:

"Prejudices are the starting point of many accumulating disasters in this world. At first as innocuous as land mines, to which they bear a certain resemblance when inactive, they become lethal when children toy with them. Every human needs opinions to express. But they must be fresh, freely expressed, considered. Beware stale opinions, dead opinions, inherited opinions thoughtlessly adopt. When they turn into contagion, they can humiliate entire nations. Death is there to survive. Humiliation can last for centuries. Palestine is a flagrant example."

Seine Erkenntnisse über das schädliche Wirken von Vorurteilen leitete Sir Peter aus der eigenen Lebenserfahrung ab.

Dies kommt sehr gut zum Ausdruck in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. November 2001 ("Den Sumpf trockenlegen. Peter Ustinov richtet Lehrstuhl gegen Vorurteile ein."):

"Der Künstler erzählt von seinen ersten Schultagen in einer englischen Schule, in der den Sechsjährigen die Vorurteile, die ihr Leben als Erwachsene eng und stumpf machen, eingebläut wurden. Noch schlimmer sei es dann im Militär gewesen. Schule, Kirche und Familie sind für Ustinov Hochburgen des Vorurteils, in denen überlieferte Meinungen und Traditionen weitergegeben werden, ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und immer wieder zu hinterfragen."

Sein 2003 erschienenes Buch "Achtung! Vorurteile" bezeichnete Sir Peter als sein "Vermächtnis". Mit Witz und Charme rückt er darin allen Formen von Vorurteilen zu Leibe, oft an Hand von Episoden aus seinem Leben. Den Bogen spannt er von Eindrücken aus der Schulzeit in England, über das Wirken nationaler Stereotypen und Witze, über den Missbrauch von Vorurteilen als politische Waffe bis zur Frage: "Haben Kinder Vorurteile?". Das Buch endet mit dem bemerkenswerten Aufruf, dem Fremden mehr entgegenzubringen als Toleranz: Respekt!

Im Folgenden einige ausgewählte Leseproben:

"Ich war immer noch sechs Jahre alt, in der ersten Klasse, da hing an einer Wand ein Bild von Jesus, gemalt mit wallendem Haar, ein bisschen weiblich, ein bisschen schwul, ein Ölgemälde. Jesus gab einem Pfadfinder eine Hand, mit der anderen Hand zeigte er ihm auf der Landkarte, wie groß das britische Imperium war. Der Ausdruck auf Jesu Gesicht ließ keinen Zweifel daran, auf welcher Seite er stand. Ich habe mich darüber sehr aufgeregt als kleiner Deutscher, der ich damals noch war. Ich sagte, das sei eine Unverschämtheit. Der Lehrer drehte sich um: "So eine Frechheit, das Bild gehört an diese Wand, an die Wand einer englischen Schule. Es ist patriotisch, es ist rechtdenkend, ich will nie wieder so etwas von dir hören ...". ( Aus "Schulzeit in England")

(Nationale Stereotypen) "sind oft harmlos und manchmal sogar amüsant, wie diese verbreitete Vorstellung von einem perfekten Glück – mit einem chinesischen Koch, einer Villa in Italien, einer französischen Frau, einem englischen Butler, einem Bankkonto in der Schweiz und einem deutschen Auto... Unangenehm und gefährlich wird es eigentlich erst dann, wenn solche Stereotypen zum Leitfaden des Handelns werden: Die Deutschen sind humorlos, die Franzosen frivol, die Holländer geizig, die Polen schmutzig, die Italiener faul! – das ist alles ziemlich dummes Zeug." (Aus "Nationale Stereotypen")

"Kinder werden ohne Vorurteile geboren, sie haben keine Vorurteile, die man bis zur Geburt zurückverfolgen könnte. Das kommt erst später mit der Schule, der Erziehung und der Religion.....Ich möchte allerdings nicht behaupten, wie Rousseau, dass alle Menschen von Natur aus gut sind. Richtig müsste es wohl heißen: Alle Menschen haben die Möglichkeit, gut zu sein ....." (Aus "Haben Kinder Vorurteile?")

"Gegen die Verachtung wurde uns die Toleranz gepredigt, und in vielen Jahrhunderten, in denen sie alles andere als selbstverständlich war, hätte sie das Leben zwischen fremden Kulturen erträglicher gemacht. Doch ist sie wirklich die Lösung der weltweiten Probleme, die Toleranz?.... Nicht also nur auf die Toleranz des mir Fremden, auf den Respekt vor ihm kommt es mir an. Denn der oder die andere, der oder die mir da auf der Strasse im Rollstuhl oder in einem fernen Land begegnet: Der oder die andere könnte ich selber sein. Nur ein Zufall, nichts als ein Zufall, hat es anders gewollt." (Aus "Toleranz oder Der andere, das könntest Du sein")


Die Aufgaben des Instituts

Allgemein gesprochen soll dem Wunsche seines Gründers entsprechend das Institut als internationales Kompetenzzentrum wirken, die Erforschung des Entstehens und die Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung von Vorurteilen vorantreiben und ein entsprechendes Umdenken in der Gesellschaft fördern.

In der Satzung des Instituts ist dessen Zweck wie folgt beschrieben (Auszug):

§2 (1)

Der Verein ist nicht auf Gewinn ausgerichtet. Er ist ein ideeller, ausschließlich gemeinnütziger und mildtätiger Verein im Sinne der §§ 34 ff Bundesabgabenordnung (BAO).

§2 (2) a

Die Förderung und die Durchführung von Studien über und die Erforschung des Entstehens von Vorurteilen und deren Einfluss auf die Lösung von Konflikten und auf menschliches Verhalten; mit dem Ziel Vorurteile als Ursache von Armut, Diskriminierung und Konflikten auf der Welt zu bekämpfen und zu überwinden und dadurch einen Beitrag zu einem konfliktfreien Zusammenleben der Menschheit zu schaffen.


Die Finanzierung des Instituts

Die Stadt Wien hat den Start des Instituts - auf Basis eines von Sir Peter Ustinov, Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Stadtrat Mailath-Pokorny am 24. Juni 2003 unterzeichneten "Letter of Intent" - finanziell ermöglicht.

Heute decken deren Beiträge die Kosten der Stiftungsgastprofessur und einen Teil der Kosten der Fachkonferenzen sowie den Kostenersatz an das Institut für Konfliktforschung für die Wahrnehmung außerordentlich wichtiger organisatorischer Kernaktivitäten (Buchhaltung, Telekommunikation, Organisation von Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen, Sitzungen des wissenschaftlichen Beirats etc.). Das Sir Peter Ustinov Institut verdankt der Zusammenarbeit mit dem Institut für Konfliktforschung sehr viel.

Zur Realisierung der darüber hinausgehenden Aktivitäten wie z. B. das Handbuch der Vorurteile, Arbeitshilfen und Fachliteratur ist das Institut auf Beiträge von Sponsoren angewiesen. Unser besonderer Dank gilt diesbezüglich den Ustinov Stiftungen in Düsseldorf/München und Genf, der voestalpine AG sowie einer Reihe anderer Einrichtungen.

Das Institut ist zu äußerster Sparsamkeit gezwungen. Es gibt keinen einzigen angestellten Mitarbeiter des Instituts. Die konzeptive Arbeit, aber auch viel Routinearbeit erfolgt seitens des Vorstands und des wissenschaftlichen Beirats. Die Mitglieder des Vorstands und des Beirats sind ehrenamtlich tätig.

Die Satzung sieht in § 4 die Möglichkeit einer "unterstützenden Mitgliedschaft" von physischen und juristischen Personen vor, wenn diese das Institut durch einmalige oder regelmäßige Zahlungen unterstützen wollen. Unterstützende Mitglieder haben beratende Stimme in der Mitgliederversammlung.


Welche Aktivitäten verfolgt das Institut?

Um seine beschränkten personellen und finanziellen Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen, fokussiert das Institut seine Aktivitäten auf folgende Bereiche:

Gastprofessur

Das Sir Peter Ustinov Institut hat 2004 gemeinsam mit der Universität Wien die "Sir Peter Ustinov Professur der Stadt Wien" eingerichtet, die alljährlich besetzt wird.

Ziel ist, hervorragende Wissenschafter aus der ganzen Welt für Vorlesungen zu gewinnen, durch die das Wissen über die Wirkungsweisen von Vorurteilen inhaltlich erweitert und räumlich verbreitet wird. Die Vorlesungen sind öffentlich zugänglich und mit einem Seminar für Studierende verbunden. Die Gastprofessur ist am Institut für Zeitgeschichte eingerichtet, um die Verbundenheit mit Gegenwartsproblemen zu unterstreichen. Über die Auswahl der Professoren berät der wissenschaftliche Beirat des Instituts.

Bisherige Gastprofessoren:

Fachkonferenzen

Alljährlich organisiert das Institut eine internationale und öffentliche Fachkonferenz. Diese dient der Aufarbeitung aktueller, politisch oder gesellschaftlich wichtiger Entwicklungen, wo Vorurteile und Feindbilder eine treibende Kraft darstellen. Die Ergebnisse werden in Buchform und/oder auf der Homepage des Instituts veröffentlicht.

Bisherige Fachkonferenzen:

Alle Veranstaltungen sind durch Publikationen beim Verlag Braumüller, Wien, dokumentiert.

Handbuch der Vorurteile

Das Institut besorgte die Herausgabe eines "Handbuchs der Vorurteile". Dieses ist ein Sachbuch mit wissenschaftlicher Qualifikation, welches Wissenschaftern, Lehrkräften, Sozialhelfern, Personalmanagern und sonstigen Interessenten als Informationsquelle und Entscheidungshilfe dient. International renommierte Autoren beschreiben und analysieren darin die wichtigsten Gruppen von Vorurteilen.

Erstellt wurde das Handbuch vom Institut für Konfliktforschung Wien bzw. von Professor Anton Pelinka, Dr. Karin Stögner und Mag. Karin Bischof. Finanziert wurde es von der voestalpine AG als Sponsor. (Für weitere Informationen siehe eigenen Abschnitt)

Die englische Ausgabe wird im Herbst 2009 bei Cambria Press, NY, erscheinen, die deutsche wird 2010 folgen.

Arbeitshilfen für Lehrer

Das Institut besorgt die Herausgabe von Arbeitshilfen für Lehrer und Vertreter der Schuladministration unter dem Titel "Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen". Diese sollen damit bei der Gestaltung eines vorurteilsbewussten Unterrichts unterstützt werden. Der Bedarf danach war bei der Fachtagung "Vorurteile in der Kindheit" offenkundig geworden.

Die Ausgabe für Grund-/Volksschulen ist im Herbst 2009 erschienen. Eine Ausgabe für die Sekundarstufe wird 2010 folgen. (Für weitere Informationen siehe eigenen Abschnitt)

Fachliteratur

Das Institut unterstützt oder besorgt die Herausgabe von Fachliteratur. Derzeit ist das von Prof. Dr. Wolfgang Benz herausgegebene Werk "Vorurteile und Genozide" in Vorbereitung. Dieses wird - quasi als Warnung - aufzeigen, wie sehr im letzten Jahrhundert Vorurteile und Feindbilder zu Völkermorden beigetragen haben.

Das Institut sucht derzeit nach Möglichkeiten, seine Aktivitäten bezüglich der Förderung von Fachliteratur zu erweitern .

"Vorurteile und Genozide" wird 2010 erscheinen. (Für weitere Informationen siehe eigenen Abschnitt).

Homepage

Das Institut unterhält seine Homepage seit 2004. Diese enthält Hinweise auf die Tätigkeit des Instituts sowie in Datenbankform Informationen über vorurteilsrelevante Fachliteratur und Forschung.

Das Institut sucht derzeit nach Wegen, diese Funktion auszubauen.


Wissenschaftlicher Beirat

Die Aktivitäten des Instituts werden von einem wissenschaftlichen Beirat unter Vorsitz von Professor Dr. Anton Pelinka begleitet. Sitzungen finden in der Regel einmal pro Jahr statt. Der Beirat empfiehlt die Auswahl der Gastprofessoren und berät den Vorstand bei den Aktivitäten des Instituts. Weitere Mitglieder sind Dr. Josef Berghold, Dr. Hubert-Christian Ehalt, Dr. Dietmar Larcher, Dr. Helga Nowotny, Dr. Oliver Rathkolb, Dr. Sieglinde Rosenberger, Dr. Leopold Rosenmayr und Margit Schmidt.


Vorstandsmitglieder des Sir Peter Ustinov Instituts


Ehrenmitglieder des Instituts


Chronologie der Aktivitäten des Instituts

2003

Das Institut wurde am 11. August 2003 gegründet. In einer ersten Mitgliederversammlung am 24. September wird der Vorstand bestellt. Sir Peter übernimmt den Vorsitz. Das Institut nimmt seine Tätigkeit auf.

2004

Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter (Universität Gießen) wird erster Ustinov Gastprofessor an der Universität Wien. Das Thema seiner Vorlesungen lautet "Umgang mit dem Bösen". Prof. Richter erläutert die "Wirkungsgeschichte des Bösen - Vorurteilsbeladene Weltbilder" und geht dabei auf die Rolle des "Bösen" als Instrument zur Machtentfaltung in der Politik (z. B. "Schurkenstaaten") und der Kirchen (z. B. "Hexenverfolgungen" und Inquisition") ein. Besonderes Augenmerk legt er auf "Sündenbockmechanismen".

Viele dabei vorgetragene Überlegungen fließen in das von Professor Richter 2006 veröffentlichte Buch "Die Krise der Männlichkeit" ein.

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Am 28. März verstirbt Sir Peter. Statt der von ihm geplanten öffentliche Präsentation "seines" Instituts veranstaltete das Institut am 19. Mai zu seinen Ehren im Wiener Rathaus die Tagung "Achtung! Vorurteile". Dabei erläutert der bekannte Publizist Dr. Hugo Portisch am Beispiel der Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland, wie auch tief verwurzelte Vorurteile abgebaut werden können. Weitere Teilnehmer waren Großmufti Mustafa Ceric, Arabella Kiesbauer und Professor Anton Pelinka.

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Die Homepage des Instituts wird eingerichtet.

2005

Ustinov Gastprofessorin wird Professor Dr. Aleida Assmann (Universität Konstanz). Das Thema ihrer Vorlesungen ist "Geschichte, Gedächtnis, Identität". Sie erläutert, wie, wann und aus welchen Quellen sich das Weltbild der Menschen bildet und welchen Veränderungen es unterzogen wird, z. B. beim Sprung von Generation zu Generation oder durch das soziale Umfeld; dabei betont sie die Bedeutung objektivierender Einrichtungen wie Museen. Bezüglich Identität bemerkt sie zu Europa, dass diese durch Gemeinsamkeiten in der Vergangenheit, aber auch durch gemeinsame Zukunftsvorstellungen gestärkt werden könnte.

Viele von ihr dabei vorgetragene Überlegungen fließen in das 2006 von Prof. Assmann publizierte Buch "Der lange Schatten der Vergangenheit - Erinnerungskultur und Geschichtspolitik" ein.

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Die erste Fachtagung des Instituts ist dem Thema: "Europa - USA: Values and Prejudices" gewidmet (Diplomatische Akademie Wien, 29. Mai 2005). Dabei wird die Entwicklung des Antiamerikanismus seit der Kolonialzeit analysiert sowie die Entwicklung unterschiedlicher Wertvorstellungen in Europa und in den USA (bezüglich Staat, Religion und Recht) herausgearbeitet. Es wurde dazu aufgerufen, Vorurteile zu bekämpfen, aber unterschiedliche Wertvorstellungen zu respektieren..

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Die Verhandlungen über die Herausgabe eines "Handbuchs der Vorurteile" mit der voestalpine AG als Sponsor und dem Institut für Konfliktforschung als inhaltlich verantwortlichem Partner werden abgeschlossen.

2006

Ustinov Gastprofessor wird Professor Peter Loewenberg (UCLA). Das Thema seiner Vorlesungen lautet: "Kulturgeschichte und psychoanalytische Tiefenpsychologie in der modernen amerikanischen Geschichtsforschung". Er befasst sich u. a. mit der Rolle von historischer Literatur und Biographien, der Überlieferung von Traumata von Generation zu Generation und der Psychologie des modernen Nationalstaates.

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Die Fachtagung widmet sich dem Thema "Der Westen und die Islamische Welt: Fakten und Vorurteile". Sie ist den bestehenden Stereotypen, Vorurteilen und Feindbildern auf beiden Seiten und deren historischen Wurzeln gewidmet (Kreisky Forum Wien, 4. und 5. Mai 2006).

Insbesondere behandelt werden die häufige Verwechslung von kulturellen und religiösen Inhalten, der Islamismus als Phänomen der Moderne, die islamische Welt als heterogenes Gebilde, die Ursachen für das bedrohliche und rückständige Bild von der islamischen Welt sowie die Bedeutung von Ängsten um Arbeitsplätze und vor Überfremdung in Europa und vor Verlust der Identität in der islamischen Welt.

Eine Dokumentation zur Fachtagung ist 2006 im Verlag Braumüller unter dem Titel: "Der Westen und die islamische Welt - Fakten und Vorurteile" erschienen.

2007

Ustinov Gastprofessor wird Professor Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Thema seiner Vorlesungen ist "Völkermord im 20. Jahrhundert. Zur Geschichte des Genozids - vom Vorurteil zur 'ethnischen Säuberung'". Die Vorlesungen belegen, wie sehr Vorurteile und Feindbilder zu den Völkermorden dieses Jahrhunderts in Europa, Afrika und Asien beigetragen haben.

Um dieses Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen - quasi als Warnung vor den Folgen einer Verteufelung von Gruppen der Bevölkerung -, beginnen Gespräche mit Professor Benz über die Herausgabe eines Buchs. (Für nähere Informationen siehe eigenen Abschnitt)

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Die Fachtagung ist dem Thema "Vorurteile in der Kindheit: Wie entstehen sie? Wie kann man gegensteuern?" gewidmet (Jugendstiltheater des Otto Wagner Spitals in Wien, 8. März 2007). Sie befasst sich mit den Folgen des Umstands, dass Vorurteile schon in früher Jugend ihren Anfang nehmen und Kinder und Jugendliche zu Tätern und Opfern machen können. Es wird herausgearbeitet, dass mit der Arbeit gegen Vorurteile nicht früh genug begonnen werden kann, weil betroffene Kinder durch diese Geringschätzung Herabwürdigung und Diskriminierung erleiden und dabei Schaden nehmen.

Eine Dokumentation zur Fachtagung erscheint 2007 im Verlag Braumüller unter dem Titel "Vorurteile in der Kindheit, Ursachen und Gegenstrategien".

2008

Ustinov Gastprofessorin wird Professor Verena Kast (Universität Zürich). Das Thema ihrer Vorlesungen lautet: "Die Schatten und die Komplexe - Vorurteile aus tiefenpsychologischer Sicht."

Dabei werden die Mechanismen beschrieben, die zur Entstehung und zur möglichen Beeinflussung von Vorurteilen führen. Insbesondere aber wird das Wechselspiel zwischen Vorurteilen und Emotionen wie Ärger und Frustration, Angst, Scham und Neid beschrieben, sowie die Rolle, die das Selbstwertgefühl beim Entstehen von Vorurteilen einnimmt.

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Die Fachtagung befasst sich mit dem Thema "Feindbilder in Europa - was kann dagegen getan werden?" (Österreichisches Parlament, Palais Epstein, 2. und 3. April 2008).

Dabei wird herausgearbeitet, welche starken Feindbilder innerhalb Europa noch bestehen, Feindbilder, die Teile der europäischen Bevölkerung als feindliche Elemente erscheinen lassen - sei es zwischen Nationen, zwischen Nationen und Minderheiten und grenzüberschreitend zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten. Weiters werden solche Fälle untersucht, wo sich Feindbilder aufgelöst haben - wie z. B. zwischen Frankreich und Deutschland, um Ansätze für Gegenstrategien zu gewinnen.

Eine Dokumentation zur Fachtagung erscheint 2008 im Verlag Braumüller unter dem Titel "Feinbilder in Europa". Diese wird bei Veranstaltungen am 24. November 2008 in der Ustinov Stiftung Düsseldorf/München und am 29. Jänner 2009 in der Diplomatischen Akademie Wien vorgestellt.

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Mit Professor Wolfgang Benz als Herausgeber und einer Reihe renommierter Autoren wird die Herausgabe des Buches "Vorurteile und Genozide" vereinbart. Zur Finanzierung des Projekts können Sponsoren gewonnen werden. (Für weitere Informationen siehe eigenen Abschnitt)

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Für die Herausgabe von Arbeitshilfen für Lehrer und Vertreter der Schuladministrationen wird ein Konzept erstellt (Titel "Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen") und mit den Partnern in Deutschland, der Schweiz und Österreich abgestimmt. Der Bedarf an solchen Arbeitshilfen war bei der Fachtagung 2007 "Vorurteile in der Kindheit" deutlich geworden. Die Absicht ist, mittels der Arbeitshilfen eine vorurteilsbewusste Erziehung zu erleichtern. (Für nähere Informationen siehe eigenen Abschnitt)

2009

Ustinov Gastprofessor wird Professor Dr. András Kovács (Central European University, Budapest). Das Thema seiner Vorlesungen ist "Roma, Juden und andere Minderheiten in Osteuropa: historische Vorurteile aus sozialwissenschaftlicher Perspektive."

Insbesondere behandelt werden nationale Vorurteile und Stereotypen, Antisemitismus in den kommunistischen Systemen, Judenfeindlichkeit und die Lage der Roma sowie Roma-feindliche Vorurteile und Diskriminierungen in den osteuropäischen post-kommunistischen Gesellschaften.

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Die Fachtagung hat "Zuwanderer als Feindbild" zum Thema (Österreichische Akademie der Wissenschaften, 18. und 19. Mai 2009).

Sie setzt sich mit dem Umstand auseinander, dass so oft Zuwanderern, insbesondere armen und vertriebenen, Feindseligkeit entgegenschlägt, ohne dass hierfür ein besonderer individueller Anlass besteht und dass in unserer Zeit die entsprechenden Feindbilder die bei weitem wirkungsvollsten geworden sind. Insbesondere werden die Fragen besprochen: Feindbild "Zuwanderer": woher kommt es und was bewirkt es?, Voraussetzungen und positive Effekte einer gelungenen "Integration", Orientierungslinien für einen Abbau des Feindbilds.

Eine Dokumentation über die Fachtagung erscheint im Herbst 2009 als Buch im Verlag Braumüller.

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Die englische Ausgabe des Handbuchs der Vorurteile wird bei Cambria Press NY unter dem Titel "Handbook of Prejudices" erscheinen.

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Der erste Teil des Arbeitsbehelfs für Lehrer und Schuladministrationen, bestimmt für Grund-/Volksschulen, wird fertiggestellt und verteilt. (Für weitere Informationen siehe eigenen Abschnitt)


Zu den Publikationen des Instituts im Einzelnen

Handbuch der Vorurteile

Das Handbuch wurde im Auftrag des Sir Peter Ustinov Instituts am Institut für Konfliktforschung von Professor Anton Pelinka, Dr. Karin Stögner und Magistra Karin Bischof erstellt. Das Handbuch beschreibt und analysiert die gesellschaftlich wichtigsten Vorurteile. Es dient Wissenschaftern, Lehrkräften, Sozialhelfern, Personalmanagern und sonstigen Interessenten als Informationsquelle und Entscheidungshilfe.

Bei den Autoren der Beiträge handelt es sich durchgängig um renommierte Wissenschafter: Werner Bergmann, Dietlinde Gipser, Saskia Sassen, Susan T. Fiske, Rainer Kampling, Klaus Ottomeyer, Wilhelm Heitmeyer/Andreas Zick, Ruth Wodak, Manfred Nowak/Konstanze Pritz, Phyllis Chesler, Dietmar Mieth, Wolfgang Benz/Peter Widmann. Die frühere Ustinov-Gastprofessorin Aleida Assmann konnte für die Verfassung eines Vorworts gewonnen werden.

Besonderer Dank gilt der voestalpine AG, die als Sponsor das Projekt finanzierte.

Der Verlag Cambria Press in NY veröffentlicht die englische Ausgabe im Herbst 2009 unter dem Titel Handbook of Prejudice (für nähere Informationen siehe www.cambriapress.com ). Eine deutsche Ausgabe soll 2010 folgen.

Arbeitshilfe "Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen"

Dieses Projekt ist eine direkte Folge der im März 2007 veranstalteten Fachkonferenz "Vorurteile in der Kindheit: Wie entstehen sie? Wie kann man gegensteuern?" Deren Hauptergebnis war die Erkenntnis, dass Kinder in viel jüngerem Alter als allgemein angenommen sowohl Träger als auch Opfer von Vorurteilen werden können - und dass dieser Problematik schon im Kindesalter entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Ziel des Projekts ist die Erstellung einer Arbeitshilfe für Lehrer und Vertreter von Schuladministrationen. Diese soll helfen, das Wirken von Vorurteilen und Feindbildern auf Kinder und unter Kindern richtig zu erkennen und im Bereich der Schule darauf zu reagieren. Denn schon im Kindesalter können Betroffene durch das Wirken von Vorurteilen und Feindbildern Geringschätzung, Herabwürdigung und Diskriminierung erfahren. Dies ist der Boden, auf dem Selbstzweifel, Unsicherheit und letztlich auch Behinderung beim Lernen gedeihen, alles mögliche Ursachen dafür, dass Chancen auf ein erfülltes Leben und auf einen befriedigenden Arbeitsplatz geschmälert werden.

Die Arbeitshilfe wird in zwei Ausgaben erscheinen, jeweils dem Entwicklungsniveau der Kinder angepasst:

Die Arbeitshilfe wird für den Gebrauch in den Schulen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs erstellt. Sie stammt von Autoren und ihre Ausarbeitung wird von Wissenschaftern begleitet, die aus diesen drei Staaten stammen. Auch die Finanzierung kommt aus diesen drei Staaten: vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und von den Ustinov Stiftungen in Düsseldorf/München und Genf.

Dem wissenschaftlichen Beirat gehören Prof. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU-Berlin, Dr. Kurt Messmer, Pädagogische Hochschule Zentralschweiz Luzern, Siegried Frech, Landeszentrale für politische Bildung, Baden Württemberg und Prof. Anton Pelinka, Leiter des Instituts für Konfliktforschung, Wien, an.

Das Projekt wird vom Demokratiezentrum Wien unter der Leitung von Mag. Gertraud Diendorfer durchgeführt. Herausgeber der Arbeitsbehelfe ist das Sir Peter Ustinov Institut. Der erste Teil, für Grund-/Volksschulen, wurde im Sommer 2009 fertig gestellt. Autorinnen waren: Petra Wagner, Hedwig Huschitt, Tamara Sturm-Schubert, Elisabeth Nevyjel, Brigitte Glur und Elfriede Windischbauer.

In Österreich wird die Arbeitshilfe vom Unterrichtsministerium an die Schulen verteilt. Überdies kann ein download von der Homepage des Ustinov Instituts: www.ustinov.at und von der des Demokratiezentrums: www.demokratiezentrum.org erfolgen.

In Deutschland stellt die Sir Peter Ustinov Stiftung den Arbeitsbehelf zum download auf die Homepage: www.ustinov-stiftung.org. Über die Verteilung in der Schweiz wird noch entschieden.

Die Fertigstellung des zweiten Teils - bestimmt für die Sekundarstufe - ist für 2010 geplant.

Herausgabe des Buches "Vorurteile und Genozide"

Dieses Buch wird von Professor Wolfgang Benz im Auftrag des Sir Peter Ustinov Instituts herausgegeben. Es umfasst neben einem einleitenden, u. a. das Wirken von Vorurteilen und Feindbildern darstellenden Beitrag acht Sachbeiträge bezüglich folgender Genozide: Hererokrieg, Armeniergenozid, Holocaust, Völkermord an Sinti und Roma, Pol Pot Regime, Jugoslawien, Ruanda und Darfur.

Das Institut ist an der Herausgabe dieses Buchs sehr interessiert, weil Professor Benz bei seinen Gastvorlesungen unter dem Titel: "Völkermord im 20. Jahrhundert, Zur Geschichte des Genozids vom Vorurteil zur 'ethnischen Säuberung'" klar herausgearbeitet hat, wie sehr die besprochenen Genozide mit Hilfe von Feindbildern durchsetzbar gemacht worden waren. Dieser Aspekt verdient größte Aufmerksamkeit. Das Buch soll die möglichen Folgen einer Verteufelung von Minderheiten aufzeigen und diese Warnung an einen möglichst weiten Kreis herantragen.

Die Mittel zur Realisierung dieses Projekts wurden uns von Sponsoren zur Verfügung gestellt, denen wir bei dieser Gelegenheit besonders Dank sagen möchten. Das Buch "Vorurteile und Genozide" wird 2010 erscheinen.

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