Die Gastprofessur zur Vorurteilsforschung wurde im Sommersemester 2008 vonProfessor Dr. Verena Kast (Universität Zürich) wahrgenommen.

Professor Kast bot eine Vorlesung und ein Seminar zu folgendem Thema an:
Vorurteil aus tiefenpsychologischer Sicht.

Menschen haben nicht nur offene, sondern auch geheime Vorurteile, wie Forschungen mit dem impliziten Assoziationstest (IAT) nahe legen. In der Tiefenpsychologie C. G. Jungs finden sich viele Konzepte, um diese impliziten Vorurteile zu verstehen, sichtbar zu machen und auch zu verarbeiten. Zum Beispiel das Konzept des persönlichen und des kollektiven Schattens, die Komplextheorie und die Symbolik, die Theorien des kulturellen und des kollektiven Unbewussten, die Traumtheorien und die Konzepte zur Imagination. Konzepte, die für die Entwicklung des Individuums und dessen Beziehungen, aber auch zur therapeutischen Behandlung von großer Wichtigkeit sind, die anstelle von Vorurteil Offenheit setzen, können auch Hinweise geben, wie in gesellschaftlichen Situationen Vorurteile aufgespürt und wie mit ihnen umgegangen werden kann.
Ziele: Sensibilisierung auf alltägliche und geheime Vorurteile, neuer Umgang damit, Überlegung, wie dieser Umgang in die Gesellschaft hinein getragen werden könnte

Literatur:

Kast Verena (2002) Der Schatten in uns. Die subversive Lebenskraft. dtv, München
Kast Verena (2007) Die Tiefenpsychologie nach C. G. Jung, Kreuz, Stuttgart

Kurzbiographie VERENA KAST

Studium der Psychologie, Philosophie und Literatur, Promotion in Jungscher Psychologie; Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, Dozentin und Lehranalytikerin am dortigen C. G. Jung-Institut und Psychotherapeutin in eigener Praxis.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, unter anderem: Trotz allem Ich. Gefühle des Selbstwerts und die Erfahrung von Identität (2003), Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses (2002), Lass dich nicht leben – lebe! Die eigenen Ressourcen schöpferisch nutzen (2002), Vom Sinn der Angst (1996), Vater-Töchter, Mutter-Söhne (1994)

Begriffsbestimmung, Kontext

4.3.2008 Was sind Vorurteile? Was nützen sie? Was verhindern sie? Ich und die andern

Tiefenpsychologische Erklärungsansätze

5.3.2008 Komplextheorie (C. G. Jung). Eine Konflikt- und eine Entwicklungstheorie

6.3.2008 Der Schatten und die Projektion des Schattens

7.3.2008 Die Projektion des kollektiven Schattens und das Böse

Emotionen und Vorurteile

20.5.2008 Ärger und Frustration

16.6.2008 Angst

17.6.2008 Scham

20.6.2008 Neid

24.6.2008 Selbstwertgefühl, Selbstachtung, Anerkennungskultur; Tradierung von Vorurteilen über kulturelle Muster

25.6.2008 Träume und Imagination als Anregung, Vorurteile zu korrigieren

27.6. 2008 Prüfung