„Religionen, Konflikt und Gewalt“

Im Sommersemester 2016 fungierte Prof. Dr. Jordanka Tebizova-Sack als Sir-Peter-Ustinov-Gastprofessorin der Stadt Wien am Institut für Zeitgeschichte. Dr. Jordanka Telbizova-Sack ist Sozial-, Kultur- und Religionswissenschaftlerin. Sie promovierte im Fachbereich Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin, am Osteuropa-Institut der FU Berlin sowie an der Universität Erfurt. Am 01. Juli 2015 habilitierte sie an der Universität Erfurt und erhielt die Lehrbefähigung und Lehrbefugnis für das Fach „Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Islam/Europa“. Von Oktober 2009 bis März 2010 war sie Research Fellow am Institut für Kulturwissenschaften in Wien. Seit 2012 ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Südosteuropa-Gesellschaft sowie Privatdozentin an der Universität Erfurt. Ihre Forschungs- und Interessenschwerpunkte sind Islam und Muslime in Europa (Schwerpunkt Südost- und Westeuropa), Minderheitenfragen und Identitätsforschung, Probleme des Umgangs mit religiösem Pluralismus in europäischen Gesellschaften, politischer Islam und transnationaler islamischer Aktivismus.

Im Rahmen einer wöchentlichen öffentlichen Vorlesung und eines Seminars thematisierte Frau Dr. Telbizova-Sack aktuelle Phänomene zum Thema „Religion, Konflikt und Gewalt“. In derzeitigen wie früheren Konflikten – in Syrien, Ex-Jugoslawien oder der Zentralafrikanischen Republik - sind Spannungen zwischen religiösen Gruppen zu beobachten. Doch selten sind Konflikte genuin „kulturell“ oder „religiös“. Religionen werden instrumentalisiert, ihre Mehrdimensionalität ignoriert, ihre Situationsbezogenheit geleugnet und das Konfliktverhalten der Akteure auf diese Weise beeinflusst. Gleichzeitig sind Gruppenzugehörigkeiten sowohl in der kollektiven Konstruktion von Konflikt und Frieden als auch für interkulturelle Begegnungen von signifikanter Bedeutung.

Was für Friedens- und Gewaltpotenzial besitzen Religionen? Welche Rolle kommt der Religion bei der Entstehung bzw. Aktualisierung von Feindbildern zu? Warum tragen Religionen in manchen Kriegen zur Eskalation bei und in anderen nicht? Welche anderen nicht-religionsspezifischen Faktoren wirken unabhängig oder im Verbund mit religiösen Faktoren auf Gewalt und Frieden ein? Können Erkenntnisse aus aktuellen und früheren Konflikten für die Friedens- und Konfliktforschung nutzbar gemacht werden? Die Vorlesung widmete sich anhand aktueller Ansätze der Religions- und Sozialforschung sowie ausgewählter Fallbeispiele diesen Fragen und rückte dabei besonders die Rolle von Religionen ins Zentrum der Betrachtung.